Dieser Leitfaden erscheint bewusst zum Jahresbeginn – einer Zeit, in der viele Menschen gute Vorsätze haben und Unternehmen noch Budget für Sponsoring oder soziale Unterstützung bereitstellen. Er zeigt Volleyballvereinen, wie sie ohne zusätzliche Belastung der Mitglieder durch Beitragserhöhungen erfolgreich Geld über Crowdfunding einwerben können. Praktische Checklisten, ein Zeitplan, Dos & Don’ts, Muster‑Belohnungen und rechtliche / steuerliche Hinweise sind enthalten.
Volleyballfreak Crowdfunding Checkliste hier direkt zum Download
1. Warum Crowdfunding für Volleyballvereine?
Crowdfunding bietet Vereinen die Möglichkeit, konkrete Projekte (z. B. Bälle & Netze, Trikots, Vereins‑Bulli, Fahrtkosten, Platzsanierung) sichtbar und emotional zu vermitteln. Vorteile:
- Externes Publikum ansprechen: Fans, Eltern, lokale Unternehmen, Alumni, ehemalige Spieler:innen.
- Niedrige Einstiegshürde: Unterstützungen ab kleinen Beträgen möglich.
- Marketingeffekt: Aufmerksamkeit, neue Kontaktdaten und lokale Vernetzung.
- Transparenz: Unterstützer:innen sehen genau, wofür ihr Geld verwendet wird.
2. Welche Projekte eignen sich besonders?
- Konkrete, klar limitierte Anschaffungen (“10 neue Spielbälle”)
- Notfall‑ oder Reparaturprojekte (z. B. Netztausch vor Saisonstart)
- Mobilitätsprojekte (Vereins‑Bulli oder Fahrtkostenzuschüsse für Jugendmannschaften)
- Infrastruktur mit sichtbarem Mehrwert (z. B. mobile Tribüne, Lagerboxen)
- Jugendförderung & soziale Projekte (Schulkooperationen, Förderprogramme)
Projekte sollten in Ziel, Umfang und Nutzen für die Community klar formulierbar sein.
3. Plattformwahl — worauf achten?
Wichtige Kriterien:
- Gebühren (Plattform + Zahlungsanbieter) — Rechne netto aus, wieviel beim Verein ankommt.
- Reichweite & Bekanntheit der Plattform in Deutschland/Österreich/CH.
- Unterstützung für gemeinnützige Organisationen (falls euer Verein gemeinnützig ist).
- Einfache Bedienung & Mobilfreundlichkeit (großer Anteil der Spenden kommt mobil).
- Möglichkeit für Spendenbescheinigungen oder transparente Auszahlung.
Hinweis: Manche Plattformen arbeiten nach dem Alles‑oder‑Nichts‑Prinzip (Fundraising nur bei Zielerreichung), andere geben auch bei Teilerfolg Geld aus. Wähle nach Risikoaversion.
4. Budget & Zielsetzung korrekt kalkulieren
- Kostenaufstellung erstellen: Einkaufspreise, Versand, Gebühren, Produktion von Belohnungen (Rewards), Werbebudget.
- Gebühren berücksichtigen: Plattformprovision + Zahlungsgebühren (z. B. ca. 5–10% möglich). Besser großzügig ansetzen.
- Realistisches Finanzziel: Lieber konservativ planen und bei Erfolg Stretch‑Goals anbieten.
- Puffer: Mindestens 5–10% für unerwartete Kosten einplanen.
5. Projektstory & Positionierung — die emotionale Linie
Erzähle eine klare, kurze Geschichte:
- Problem: Was fehlt? Warum ist das wichtig? (z. B. fehlende Bälle gefährden Trainingsqualität der Jugend)
- Lösung: Was wollt ihr finanzieren? (konkret: 30 Trainingsbälle, 3 Netze, Transportbox)
- Wirkung: Wer profitiert? (Jugendteam, Schulkooperationen, lokale Community)
- Call to Action: Wie können Leute helfen? (spenden, teilen, Unternehmen ansprechen)
Tipp: Verwende konkrete Zahlen und Beispiele. Fotos von Mannschaften, Jugendtrainings, dem defekten Material erhöhen Glaubwürdigkeit.
6. Belohnungen / Dankeschöns (Rewards)
Belohnungen sind optional, aber sie steigern Engagement. Ideen:
- 5–15 €: Persönlicher Dank via Social Media und Name auf Spendenseite.
- 20–50 €: Vereins‑Stickerset, digitales Vereins‑Wallpaper, kleines Dankschreiben.
- 50–150 €: Limitierte Fan‑Tasse, Cap, signiertes Trikot (Limitiert), Einladung zum Vereins‑Grillabend.
- 200–500 €: Sponsorenplakette im Vereinsheim, Logo auf Trainingsshirt (zeitlich befristet), Firmen‑Sponsoringpaket.
Wichtig: Kalkuliere Herstellung & Versand der Rewards und vermeide physische Belohnungen, die teuer sind – digitale oder erlebnisorientierte Belohnungen haben oft die beste Marge.
7. Inhalte für die Kampagnenseite
Die Kampagnenseite sollte folgende Bausteine enthalten:
- Titel + Kurzbeschreibung (1–2 Sätze, prägnant)
- Kampagnenvideo (60–90 Sekunden, kurz, authentisch)
- Projekttext: Story + Ziel + Budgetaufgliederung
- Belohnungen (falls vorhanden) mit Anzahl‑Limits
- Zeitlicher Ablauf & Meilensteine (wann wird gekauft/ geliefert/ eingesetzt)
- Transparenzblock: Konto/Verwendungsnachweis und Kontakt
- Teamvorstellung: Wer steckt dahinter (Trainer:innen, Vorstandsmitglieder)
- FAQ: Rückerstattung, Gemeinnützigkeit, steuerliche Hinweise
8. Video & Bildmaterial — so produziert ihr überzeugend
- Video: 60–90 Sekunden, Smartphone genügt. Inhalt: kurze Vorstellung, das Problem zeigen, Lösung visualisieren, klarer Spendenaufruf. Zeigt echte Spieler:innen (Einwilligung der Eltern bei Minderjährigen!).
- Bilder: Vorher/Nachher, emotionale Porträts, Material in Benutzung.
- Ton & Musik: Lizenzfreie Musik verwenden.
9. Zeitlicher Ablauf — Wochenplan (empfohlen: 6–8 Wochen)
Vorbereitung (3–5 Wochen vor Launch)
- Projektziel definieren & Budget fertigstellen
- Entscheiden: Rewards, Platform, Kampagnenname
- Text & Bilder/Video erstellen
- Presse‑/Outreach‑Liste erstellen (lokale Medien, Sponsoren)
- Mailingliste & Social Media‑Posts vorbereiten
- Kampagnenseite in Entwurf anlegen
Pre‑Launch (1–2 Wochen vor Launch)
- Soft‑Launch an Mitglieder, Eltern & enge Unterstützer:innen (1–2 Tage exklusiv) — Ziel: erste 10–20% der Summe als Momentum
- Pressemitteilung vorbereiten
- Kampagnenstart‑Datum festlegen (Wochentag beachten: Dienstag–Donnerstag oft gut)
Launch‑Phase (Woche 1–2)
- Intensive Kommunikation: Social Media, Newsletter, WhatsApp‑Gruppen, lokale Medien
- Events & Aktionen (z. B. Mini‑Turnier, Kuchenverkauf, Sponsorenlauf)
- Persönliche Ansprache von Unternehmen & Alumni
Mittelphase (Woche 3–5)
- Regelmäßige Updates (Erfolge, Zwischenziele, Dankesposts)
- Live‑Event oder Streams, Stretch‑Goals ankündigen
- Fokus auf Reichweite: Freunde bitten zu teilen
Countdown & Abschluss (letzte 3–4 Tage)
- Dringlichkeitskommunikation: Countdown, Last‑Push Events
- Dankeschön an Großspender:innen hervorheben
Nach der Kampagne (2–6 Wochen danach)
- Auszahlung prüfen & Kosten begleichen
- Transparente Abrechnung veröffentlichen (Fotos, Rechnungen)
- Rewards versenden
- Dankes‑Event / Pressemitteilung mit Resultaten
10. Marketing & Öffentlichkeitsarbeit
Kombiniert mehrere Kanäle:
- Eigene Kanäle: Website, Newsletter, Social Media (Instagram, Facebook, TikTok), WhatsApp‑/Telegram‑Gruppen.
- Lokale Medien: Zeitung, Radio, lokale TV‑Stationen. Persönlicher Kontakt zum Sportredakteur zahlt sich aus.
- Schulen & Unternehmen: Schulnewsletter, lokale Firmen (B2B‑Sponsoring).
- Partner & Influencer:innen: Lokale Sportler:innen, bekannte Alumni, Vereinsnahes Netzwerk.
- Offline‑Aktionen: Info‑Stand beim Stadtfest, Kuchenverkauf, Benefizspiel.
Tipp: Erstellt ein Pressekitt (Kurzinfo, Fotos, Zitat des Vorsitzenden) und bietet Interviewtermine an.
11. Rechtliches & Steuerliches (kurze Orientierung)
- Gemeinnützigkeit: Wenn euer Verein gemeinnützig ist, können Spenden steuerlich relevant sein — klärt mit eurem Steuerberater.
- Spendenbescheinigungen: Plattformen bieten das nicht immer automatisch. Klärt Vorgehen (Einzelspenden vs. Gegenleistungen).
- Haftung & Einwilligungen: Bei Fotos/Video von Minderjährigen schriftliche Einwilligung der Eltern einholen.
- Transparenzpflicht: Verwendet den Erlös nur für angegebenen Zweck; bei Abweichungen kommunizieren.
12. Reporting & Follow‑Up — Vertrauen aufbauen
- Veröffentlicht Fotos von der Umsetzung (z. B. Einkauf, Übergabe an Trainer:innen, Nutzung im Training).
- Zeigt Rechnungen oder Auszüge (sensibel mit personenbezogenen Daten umgehen).
- Sendet eine Dankesmail an alle Unterstützer:innen mit Zusammenfassung und nächsten Schritten.
13. Dos & Don’ts
Dos
- Do: Klare, ehrliche Zielbeschreibung.
- Do: Echtzeit‑Updates während der Kampagne.
- Do: Persönliche Ansprache von Großspender:innen.
- Do: Kleine Rewards mit hoher Marge anbieten (digitale, erlebnisorientierte).
- Do: Erstes Momentum sichern — 10–30% der Zielsumme vor oder direkt nach Start.
- Do: Lokale Medien aktiv ansprechen.
- Do: Danke sagen — öffentlich und persönlich.
Don’ts
- Don’t: Unrealistische Ziele setzen.
- Don’t: Mitglieder übermäßig belasten; Crowdfunding als Ergänzung sehen, nicht Ersatz.
- Don’t: Kein Follow‑Up nach erfolgreicher Kampagne (das zerstört Vertrauen).
- Don’t: Unklare Mittelverwendung.
- Don’t: Zu viele physische Belohnungen, die Aufwand & Kosten sprengen.
14. Häufige Stolperfallen & Lösungen
- Problem: Keine Reichweite —> Lösung: Partner:innen, lokale Medien, Events, Social Ads (kleines Budget).
- Problem: Großspender fehlen —> Lösung: Persönliche Meetings, Sponsorenmappe mit konkretem Gegenwert.
- Problem: Verzögerte Lieferung von Rewards —> Lösung: realistische Zeitplanung & transparente Kommunikation.
15. Checkliste (Vor Launch)
- Projektziel und Budget fertig
- Plattform ausgewählt und Gebühren geprüft
- Kampagnentext geschrieben
- Video & Fotos erstellt
- Rewards definiert und kalkuliert
- Pressekite erstellt
- Startdate gesetzt + Soft‑Launch geplant
- Mailingliste & Social‑Posts vorbereitet
- Verantwortliche Person(en) für Kommunikation bestimmt
16. Beispiel‑Zeitplan (konkrete Woche‑für‑Woche‑Aufteilung)
Woche −5 bis −3: Planung, Budget, Plattform; Material & Foto/Video produzieren.
Woche −2: Kampagnenseite fertigstellen; Pressekitt; Soft‑Launch an engstes Netzwerk.
Woche 0 (Launch‑Woche): Kampagne live, Social Push, Pressemitteilung, Event am Wochenende.
Woche 1–4: Regelmäßige Updates, Events, Sponsorenkontakt vertiefen.
Letzte 3 Tage: Countdown, letzte Anreize, Stretch‑Goals klar kommunizieren.
Woche +1–4 nach Kampagne: Auszahlung, Einkauf & Umsetzung, Abrechnung & Dankeskommunikation.
17. Beispiel‑Budget (Template)
|
Posten |
Kosten (€) |
|
30 Trainingsbälle |
360 |
|
3 Netze |
450 |
|
Versand & Material |
50 |
|
Plattform‑ & Zahlungsgebühren (8%) |
70 |
|
Rewards Produktion & Versand |
120 |
|
Werbung / Social Ads |
150 |
|
Puffer (10%) |
120 |
|
Gesamtziel |
1320 |
18. Beispiel‑Rewards
- 10 € — Nennung auf der Kampagnenseite + Social Media Dank.
- 25 € — Vereins‑Sticker + Nennung.
- 75 € — Signiertes Trainingsshirt (Limit 20).
- 250 € — Sponsor:in (kleines Logo 1 Saison auf Trainingsbanner).
19. Beispiel‑Kurztext für Kampagnenseite
Kurzbeschreibung: Unsere Jugendmannschaften brauchen dringend neues Material — 30 neue Trainingsbälle und 3 Netze. Helft uns, die Trainingsqualität zu sichern und mehr Kinder fürs Volleyball zu begeistern!
20. Muster‑Mail an lokale Unternehmen (Kurzfassung)
Betreff: Unterstützung für [Vereinsname] — Jugend & Breitensport in [Ort]
Guten Tag [Name],
wir vom [Vereinsname] kämpfen wie viele Amateurvereine mit knappen Budgets. Für die kommende Saison sammeln wir per Crowdfunding Mittel für neue Trainingsbälle und Netze, damit unsere Jugendmannschaften optimale Trainingsbedingungen erhalten. Gerne senden wir Ihnen unsere Sponsorenmappe und ein Paket mit Gegenleistungen (z. B. Logo auf Banner). Wären Sie für ein kurzes Gespräch offen?
Mit sportlichen Grüßen
[Name], [Funktion]
21. Metriken & Erfolgskontrolle
Wichtige Kennzahlen während und nach der Kampagne:
- Anzahl Unterstützer:innen
- Durchschnittlicher Spendenbetrag
- Conversion Rate der Besucher:innen zur Spendenseite
- Anzahl Shares / Reichweite
- Kosten pro gewonnenem Unterstützer (bei Ad‑Schaltungen)
22. Nachhaltigkeit — Crowdfunding als langfristiges Werkzeug
Crowdfunding kann mehr sein als einmaliges Fundraising: baut eine Mailingliste auf, segmentiert Unterstützer:innen (Großspender:innen, lokale Betriebe, Kleinstspender:innen) und bindet sie mit regelmäßigen Updates und Einladungen an Vereins‑Events.
Fazit
Crowdfunding ist Arbeit — aber gut gemacht bringt es nicht nur Geld, sondern auch neue Unterstützer:innen, Sichtbarkeit und langfristige Beziehungen. Plant sorgfältig, kommuniziert offen und feiert jede Etappe gemeinsam mit eurer Community.
Anhang: Quick‑Copy‑Vorlagen
- Social‑Post (Instagram/Facebook):
Unsere Jugend braucht euch! 🎯 Für 30 neue Trainingsbälle fehlen uns noch 1.320 €. Jeder Beitrag hilft — unterstützt unsere Crowdfunding‑Kampagne (Link in Bio). Danke! 🏐🙏
- Update‑Post (bei 50%):
Halbzeit! Wir haben 50% des Ziels erreicht — danke an alle Unterstützer:innen! Helft uns die letzten 50% zu schaffen: teilt die Kampagne oder werdet Förderer:in.
- Dankesnachricht an Unterstützer:innen:
Liebe Unterstützer:innen, vielen Dank für eure großartige Unterstützung! Dank euch konnten wir [was gekauft wurde] realisieren. Wir halten euch auf dem Laufenden und laden euch herzlich zur offiziellen Übergabe am [Datum] ein.





