Ein Playbook ist mehr als eine Sammlung von Taktiken. Es schafft eine gemeinsame Sprache, klare Handlungsprinzipien und Wiedererkennbarkeit in Stresssituationen. Gerade im Nachwuchs- und Amateurbereich hilft ein Playbook, Entscheidungen zu vereinfachen und Spielende handlungsfähig zu machen – unabhängig von individueller Tagesform. Dieser Post fußt auf dem Playbook des Deutschen Volleyball-Verbandes zur „Grundvermittlung der Basistaktiken im männlichen Nachwuchsvolleyball“. Der Link ist unten zu finden. Ausgehend hiervon kann das „Playbook“ aber auch an jedes Team adaptiert werden.

Warum Playbooks im Volleyball unverzichtbar sind

1. Volleyball ist ein Entscheidungs- kein Reaktionsspiel

Volleyball unterscheidet sich von vielen anderen Sportarten dadurch, dass jede Spielsituation neu entsteht und Entscheidungen unter Zeitdruck und ohne direkten Ballbesitz getroffen werden müssen. Spielende haben oft nur Bruchteile von Sekunden, um zu erkennen:

  • Bin ich in-System oder out-of-System?
  • Greife ich an, sichere ich oder übernehme ich Verantwortung?
  • Spiele ich Risiko oder Stabilität?

Ein Playbook reduziert diese Entscheidungsvielfalt, indem es vorab Lösungen definiert.

2. Playbooks entlasten das Gehirn – besonders unter Druck

Unter Stress greifen Menschen nicht auf Kreativität zurück, sondern auf trainierte Muster.
Ohne Playbook passiert häufig:

  • jede:r entscheidet individuell
  • gute Lösungen kommen zu spät
  • Kommunikation wird hektisch oder verstummt

Mit Playbook:

  • Spielsituationen werden wiedererkannt
  • Entscheidungen laufen automatisiert
  • Energie bleibt für Technik, Mut und Emotion

Das Playbook wirkt wie ein mentaler Autopilot für kritische Spielphasen.

3. Gemeinsame Sprache schlägt individuelles Talent

Ein zentrales Element des vorgestellten Playbooks ist die klare Begrifflichkeit:

  • in-System / out-of-System
  • Sideout / Transition
  • Commit Block / Read Block
  • klare Kommunikationsregeln

Diese gemeinsame Sprache sorgt dafür, dass:

  • neue Spielende schneller integriert werden
  • Trainer:innen präziser coachen können
  • Missverständnisse im Spiel drastisch sinken

Ein Playbook schafft Verständnis, bevor der Ball fliegt.

4. Playbooks sind Entwicklungswerkzeuge – keine starren Regeln

Ein häufiger Irrtum: „Playbooks schränken Kreativität ein.“

Das Gegenteil ist der Fall.
Gerade im Nachwuchs- und Amateurbereich schaffen Playbooks:

  • Sicherheit, um mutig zu handeln
  • Struktur, um Fehler einzuordnen
  • Vergleichbarkeit, um Entwicklung sichtbar zu machen

Das Playbook arbeitet bewusst mit:

  • Grundprinzipien statt Sonderfällen
  • Verantwortlichkeiten statt Schuldzuweisungen
  • Wiederholungen statt Überraschungen

Gute Playbooks wachsen mit dem Niveau der Spielenden.

Kurz-Zusammenfassung des DVV Playbooks der Jugendnationalmannschaften (männlich)

Das zu Grunde liegende Playbook zur Grundvermittlung von Basistaktiken im männlichen Nachwuchsvolleyball strukturiert das Spiel in wiederkehrende Situationen und definiert dafür klare Lösungen.

1. Klare Spielphasen & Begriffe

  • Unterscheidung zwischen in-System und out-of-System
  • Trennung von Sideout (K1) und Transition (K2)
  • Einheitliche Definitionen (Highball, Commit-/Read-Block etc.)

Ziel: schnelle Orientierung und einheitliches Verständnis

2. Kommunikation als zentrales Element

  • Kommunikation ist situationsabhängig, nicht dauerhaft
  • Pflichtkommunikation z. B. bei:
    • out-of-System-Situationen
    • Blockauflösung
    • Anzahl der gegnerischen Blockspieler
  • Reduktion unnötiger Informationen während des Ballwechsels

Ziel: weniger, aber relevante Kommunikation

3. Annahme- und Abwehrprinzipien

  • Bewertungssystem für Annahmen (#, +, !, -, Fehler)
  • Unterschiedliche Annahmeformationen gegen:
    • Float-Aufschlag
    • Sprungaufschlag
  • Klare Ausgangspositionen je nach Qualität der Spielsituation
  • Abwehrsysteme für:
    • schnelle Bälle
    • Highballs
    • Quick-Angriffe und Pipe

Ziel: Struktur statt Reaktion

4. Verantwortung im Spielaufbau

  • Jede:r Spielende muss:
    • Freeballs organisieren
    • Feldzuspiel / Highball zuspielen können
  • Klare Zielzonen und technische Leitlinien für Notlösungen

Ziel: Handlungsfähigkeit auch ohne perfektes Zuspiel

5. Einheitliche Block- & Angriffskonzepte

  • Grundlagen für:
    • Commit- und Read-Block
    • Blockanzeigen und Absprachen
  • Angriffsrhythmisierung über Schrittfolgen und Zuspieltempo
  • Sicherung als kollektive Aufgabe aller Spielenden

Ziel: Abstimmung zwischen Technik, Taktik und Timing

6. Warum dieses Playbook ein gutes Beispiel ist

Das vorgestellte Nachwuchs-Playbook überzeugt, weil es:

  • Technik, Taktik und Kommunikation verzahnt
  • den Fokus auf Was tun wir in dieser Situation? legt
  • Spielende zu Verantwortungsträger:innen macht
  • auch in chaotischen Situationen Lösungen anbietet (Freeball, Highball, Feldzuspiel)

Es zeigt:
Playbooks sind nicht nur für Profis – sie sind gerade für Ausbildung essenziell.

Tipps zur Anpassung des Playbooks

Prinzipien bleiben gleich – Prioritäten verschieben sich

Playbook = Orientierung, nicht Überforderung

Playbook als Lernhilfe, nicht als Regelwerk

Je Nach Niveau/ Geschlecht…

  • Begriffe reduzieren und visualisieren
  • Fokus auf:
    • Grundpositionen
    • Verantwortlichkeiten („Wer macht was?“)
  • Passcodierungen und Blockstrategien vereinfachen
  • Kommunikation klar, laut und eindeutig – lieber zu viel als zu wenig
  • Weniger Systeme, dafür konsequente Wiederholung
  • Highball- und Freeball-Organisation priorisieren
  • Blockstrategien zunächst individuell statt komplex kollektiv
  • Bewertungssysteme (z. B. Annahme) als Feedbacktool, nicht als Druckmittel nutzen

Fazit für die Community

Ein Playbook gibt Teams Sicherheit, Struktur und Identität. Entscheidend ist nicht die Komplexität, sondern die Anpassung an Zielgruppe, Niveau und Entwicklungsstand. Gute Playbooks wachsen mit dem Team – und nicht umgekehrt.

Quelle

Möchtet ihr das DVV-Playbook im Original nachlesen, könnt ihr dies hier tun!