Egal, ob 3. Liga oder Kreisliga: wer Zuschauer in seine Halle bekommen will, muss begeistern. Das, was in Fachkreisen „Eventisierung“ genannt wird, beschränkt sich nicht nur auf große Events. Schon mit kleinen Kniffen und Tricks lassen sich im heimischen Volleyballclub Zuschauer anheizen und beeindrucken. Hier sind zehn kleine Event-Tipps für den Volleyball-Hausgebrauch:

Daniel Schmidt (34) ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur D3Smedia in Frankfurt. Der ausgebildete Sprecher und Radiomoderator hat über 10 Jahre Erfahrung als Hallen- und Stadionsprecher unter anderem in der Volleyball- und Frauenfußball-Bundesliga. Für die Volleyball Bundesliga reist er als Mitglied des „Kompetenzteams Eventisierung“ durch die Republik und berät Erst- und Zweiligisten hinsichtlich der Eventisierung der Heimspieltage. Darüber hinaus ist er der Macher der Facebook- und Xing-Initiative „Bringt Volleyball in die Medien!“. Zum Gastautor: Daniel Schmidt (34) ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur D3Smedia in Frankfurt. Der ausgebildete Sprecher und Radiomoderator hat über 10 Jahre Erfahrung als Hallen- und Stadionsprecher unter anderem in der Volleyball- und Frauenfußball-Bundesliga. Für die Volleyball Bundesliga reist er als Mitglied des „Kompetenzteams Eventisierung“ durch die Republik und berät Erst- und Zweiligisten hinsichtlich der Eventisierung der Heimspieltage. Darüber hinaus ist er der Macher der Facebook- und Xing-Initiative „Bringt Volleyball in die Medien!“.

Tipp 1: Jedes „Event“ beginnt mit Ideen!

Eine der größten Ausreden, die mir beim Besuch und Analysieren von Volleyballspielen immer wieder begegnen, sind Phrasen wie „dafür haben wir kein Geld“, „wer soll das denn machen“ oder „das ist doch nur was für Erstligisten“. Wer so denkt, wird es nie schaffen, sein Publikum zu begeistern.

Wer wirklich auch in der heimischen Halle seine Fans und Zuschauer überraschen will, muss offen für Ideen sein. Führt ein Brainstorming durch, setzt Euch dabei keine Grenzen, spinnt Euch etwas in Eurer Phantasie zusammen und bringt das zu Papier. Im zweiten Schritt überlegt Ihr anschließend, wie ihr Eure Ideen so dimensionieren könnt, dass sie für Euer Heimspiel realisierbar werden können. Ihr werdet überrascht sein, wie viel Ihr mit Do-it-yourself und ein wenig Gehirnschmalz selbst gestalten und mit wenig Budget umsetzen könnt.

Tipp 2: Wer kommt zum Heimspiel, wenn davon keiner weiß?

Okay, eigentlich sollte sich das von selbst verstehen, oder? Woher sollen die Leute aus Eurem Stadtteil oder Ort denn wissen, dass es Euch gibt, wenn Ihr nicht auf Euch aufmerksam macht. Flyer, Poster (z.B. beim Bäcker um die Ecke), Werbeschilder vor Eurer Halle etc. helfen Euch, an wichtigen Stellen Euer Heimspiel zu bewerben und so wahrgenommen zu werden. Eine Präsenz in den sozialen Netzwerken wie z.B. Facebook ist heutzutage doch obligatorisch. Je kreativer dabei die Inhalte sind, desto größer die Chance, dass Ihr wahrgenommen werdet. Vielleicht landet Ihr dabei ja einen echten Internet-Hype und Eure Fans rennen Euch die Bude ein.

Spieltagstrailer, wie dieser Hollywoodstreifen vom SV Warnemünde werden immer beliebter

Tipp 3: Gebt Eurem Heimspieltag einen würdigen Rahmen!

Gestaltet Euch einen schönen Rahmen für Euer Heimspiel: Aufsteller, Fotos und Plakate vor und in der Hallenlobby verschönern die Heimspielstätte und machen sie gleich als Euren Heimspieltempel ersichtlich. Eine Tombola oder Tippspiele beziehen das Publikum gleich in den Spieltag ein. Macht Euch klar, dass die Außendarstellung von Euch größtenteils von Euch selbst abhängt. Stellt Euch die folgenden Fragen: ist die Halle aufgeräumt, ist das Feld aufgebaut? Stehen Mannschaftsbänke und Schreibertisch ordentlich? Sind die Umkleidekabinen in gutem Zustand? Ist der Raum für das Schiedsgericht sauber? Läuft Eure Lieblingsmusik in der Halle beim Warmmachen? Werden Ehrengäste durch Vereinsverantwortliche begrüßt?

Das Foto zeigt die Tippspiel-Box vom TVA Hürth.

Tippspiel zum Spieltag beim TVA Hürth

Kurz gesagt: alles das, was audiovisuell an einem Heimspieltag vom Publikum, von Eurem Gegner, vom Schiedsgericht, von allem am Heimspielevent beteiligten Personen wahrzunehmen ist, gibt Euch und Eurer Mannschaft ein Image. Seid Euch dessen bewusst und steckt den Rahmen, in dem Ihr wahrgenommen werden wollt, selbst ab. Auch, wenn Ihr dafür eine halbe Stunde früher in die Halle kommen müsst. Es lohnt sich!

Tipp 4: Der Sponsor ist König!

Die betriebswissenschaftliche Definition von Sponsoring ist eine Leistungs-Gegenleistungsbeziehung. Das heißt ganz konkret, dass der Sponsor, der Euch Geld oder Sachleistungen gibt, auch gerne eine Gegenleistung von Euch hätte. Dazu gehört, dass seine Werbung ordentlich aufgestellt ist. Achtet darauf, dass Aufsteller, Bannerwerbung, Banden in einem sehr guten Zustand sind und immer gut zu sehen sind. Sind Flyer vom Sponsor ausgelegt? Werden alle Sponsoringabsprachen eingehalten? Wollt Ihr Sponsoren bei Laune halten, gebietet sich auch eine Einladung ans Speisenbüffet (siehe Tipp 6) und ein exklusives „Come together“ mit den Spielern nach dem Spiel. Schließlich ist es nun mal so, dass Ihr auch in unteren Klassen von der Gönnerhaftigkeit der Sponsoren abhängig seid.

Tipp 5: Euer Heimspiel braucht Musik und einen Hallensprecher!

Das Foto zeigt die Hände an einem Mischpult. Dies symbolisiert einen Hallen DJ, der heizt mit Musik den Zuschauern ein.

Der Hallen-DJ heizt mit Musik den Zuschauern ein. (Foto: Peter Zylajew)

Sehr häufig treffe ich in unterklassigen Hallen gar keinen Hallensprecher an oder ältere Herren, der schon seit vierzig Jahren „Hallensprecher“ seien und mehr Namen abstottern, als ihre Teams abzufeiern. Das ist so „retro“.

Wenn Ihr die Möglichkeit habt, die Halle zu beschallen, muss bei Eurem Heimspiel Eure Musik laufen und Euch Euer Hallensprecher zu Höchstleistungen anfeuern. Dafür braucht’s gar nicht viel Aufwand. In den meisten Sporthallen bestehen Anschlüsse für eine Einspeisung in die vorhandene Anlage. Wenn Ihr die Hallenanlage nehmen könnt, Mischpult mit Mikrofon und PC ran. Eine nette Aufwärm-Playlist, ein paar Jingles für In-Game und ab geht die Luzie! Eine kostenlose Software für Volleyball-Jingles gibt’s hier: Event Music Machine. Wie man gut als Hallensprecher arbeitet, könnt Ihr Euch auf sportdeutschland.tv und bei den Spielen in der ersten und zum Teil auch zweiten Liga abgucken. Tipp dafür: es gibt ganz viele motivierte Teenager, die schon DJ-Erfahrung haben und super für solch eine Tätigkeit geeignet sind!

Tipp 6: Volleyball macht hungrig!

Das Foto zeigt Brezel vom Catering am Spieltag.

Brezel gehen gut beim Catering am Spieltag (Foto: Peter Zylajew)

Volleyballschauen macht hungrig. Damit sich Euer Publikum wohlfühlt, bietet sich ein kleines Büffet an: Getränke, Bier, Softdrinks, Kuchen, heiße Würstchen, Donuts, Popcorn oder Salate… Eurer Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Nicht nur, dass solch ein Büffet die Sporthalle ein wenig heimeliger macht, nein, es spült auch noch ein wenig Geld in die Teamkasse.

Dazu noch zwei Empfehlungen: bei solchen Büffets gehen die Artikel am Leichtesten weg, die leicht als Einzelstücke verkauft werden können und somit auch gut auf eine Tribüne mitgenommen werden können, wie z.B. Kuchenstücke, Würstchen im Brötchen, Donuts, etc., während Salate oder Eintöpfe häufig Ladenhüter sind. Für höherklassige Mannschaften empfiehlt sich zudem, Förderer und Sponsoren mittels einem VIP-Bon ans Büffet einzuladen. Dies zeigt eine Wertschätzung und zumindest eine kleine Gegenleistung für ihr Sponsorship.

Tipp 7: Bringt Emotionen ins Spiel!

Das Foto zeigt das jubelnde TVA-Team. Im Hintergrund feiert das Publikum ebenfalls mit!

Die Emotionen springen beim Spieltag auf das Publikum über! (Foto: Peter Zylajew)

Erinnert Euch mal kurz, an die Volleyballmatches, die Ihr unter der Kategorie „unvergesslich“ abgespeichert habt. Es sind meistens Spiele, bei denen etwas besonders Emotionales passiert ist, z.B. ein besonders knapper Tie-Break-Sieg, oder das Drehen eines großen Rückstandes. Die Erinnerung hält deshalb so lange an, weil sie mit Emotionen verknüpft ist. Bringt Eure Mannschaft dazu, diese Emotionen ins Spiel einzubringen.

Ohne Genderklischees schüren zu wollen, ist es aber dennoch so, dass sehr häufig Frauenteams sich hierbei etwas schwerer tun als Männer. Es ist wichtig, dass Ihr positive (!) Emotionen nach außen strahlt. Gestikuliert mit dem Publikum, fordert Unterstützung für Euch ein. Habt eine aktive und zuversichtliche Körpersprache, auch wenn Ihr mal im Rückstand seid. Feiert nach dem Spiel mit dem Publikum, bezieht es mit ein. Gönnt Euch selbst besondere Feierrituale, lustige (aber faire) Anfeuerungssprüche, und, und, und. So manch Team ist dadurch auch schon mittels Video in den sozialen Netzwerken viral gelaufen.

Tipp 8: Sucht Gelegenheiten, Events zu verbinden!

Sucht Gelegenheiten Euer Heimspiel mit anderen Events zu verbinden. Euer Handballverein um die Ecke hat am gleichen Tag auch ein Spitzenspiel in der Liga? Prima. Tut Euch zusammen und gestaltet einen Doppelspieltag. Gemeinsam habt Ihr wahrscheinlich gleich mal doppelt so viele Zuschauer. Und mit Sicherheit auch die ein oder andere Einnahme mehr, sei es durch das Büffet aus Tipp 6, Eintrittsgelder oder potenziellen Sponsoren.

Volleyball passt übrigens auch gut zu sportfremden Events. Die Dorfdisko oder der jährliche Feuerwehrball steht an? Warum nicht mal im Anschluss an Euer Volleyballmatch in der gleichen Halle. Eine große Spenden- oder Charityaktion steht an? Prima, auch das lässt sich gut mit einem Volleyballspiel verknüpfen. Hier gilt die Denkfreiheit aus Tipp 1.

Tipp 9: Spicke bei der Konkurrenz!

Man muss das Rad nicht immer selbst erfinden. Ihr kennt einen Verein, wo etwas besonders gut funktioniert? Prima! Schaut Euch dort ab, wie es gemacht wird und prüft, wie Ihr das bei Euch anwenden könnt. Es geht nicht darum, Ideen Eins-zu-Eins zu kopieren, sondern ganz konkret herauszuarbeiten, ob diese oder jene Idee auf Euren Spieltag angepasst, funktionieren könnte.

Tipp 10: Nach dem Heimspiel ist vor dem Heimspiel!

Die alte Fußballerweisheit gilt leider auch für jedes Heimspiel. Macht Euch nach Heimspielen Gedanken darüber, was gut und was schlecht gelaufen ist. Was könnt Ihr verbessern? Mit welcher Idee möchtet Ihr das nächste Mal überraschen? Was hat gar nicht funktioniert? Wo braucht Ihr noch Hilfe? Nur durch stetiges Reflektieren könnt Ihr sicherstellen, dass Ihr bei Euren Fans wirklich als „geil“ wahrgenommen werdet.

Fazit

Schon mit kleinen Kniffen und Tricks lassen sich aus Eurem Heimspiel erinnerungswürdige, kleine Events basteln, die Euren Fans bestimmt lange und positiv in Erinnerung bleiben werden. Wichtig bei all‘ dem: schränkt Eure Phantasie niemals ein und behaltet Emotionen als Schlüssel zum Erfolg immer im Blick. Viel Freude dabei!


Die Fotos wurden überwiegend bereitgestellt von Peter Zylajew. Mehr schöne Foto gibt es hier: https://www.facebook.com/PZylajew/