VolleyballFREAK hat für Euch mit den jüngsten A-Trainern und der jüngsten A-Trainerin gesprochen*: Warum sind sie schon so früh Trainer geworden, was sind ihre Ziele, was waren besondere Momente in ihrer bisherigen Karriere – und warum sollte man unbedingt auch Trainer werden?

In einer dreiteiligen Serie stellen wir Euch die „jungen Wilden“ vor. Heute: Norman Hüttner, DVV-Koordinator C-/B-Trainer-Ausbildung und E-Learning

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Wenn wir mit dieser Serie junge Leute erreichen, und sie zum Trainer werden motivieren können, haben wir unser Ziel erreicht!

Viel Spaß beim Lesen!

Hier geht es zu Teil 1 mit Verena Steinbacher vom VCO Berlin

Hier geht es zu Teil2 mit Paul Sens vom SCC Palmberg Schwerin

 

Inhaltsverzeichnis

Steckbrief

Das Foto zeigt Norman Hüttner im Portrait

Norman Hüttner gehört zu den jüngsten A-Trainern Deutschland

Name: Norman Hüttner

Alter: 21 Jahre

Beruf: Student (Psychologie, Lehramt Sport/Französisch; Friedrich-Schiller-Universität Jena), Trainer U14 bei SWE Volley-Team Erfurt

Volleyball aktiv seit: ich 12 bin

Meine Stationen: Geraer Volleyballclub, SVV Weimar

Volleyball Trainer seit: ich 15 bin

Meine Stationen: Geraer Volleyballclub als Jugendtrainer, VfB Suhl 2./3. Damen, HSV Weimar als Jugend- und Damentrainer, Schwarz-Weiß Erfurt als Co-Trainer in der 1. Bundesliga und Jugendtrainer beim SWE-VolleyTeam Erfurt

Mein größter Erfolg als Spieler: 3x Teilnahme am Regionalfinale, 2x Thüringer Vizemeister, Kapitän der Landesauswahl

Mein größter Erfolg als Trainer: Co-Trainer 1. Bundesliga bei Schwarz-Weiß Erfurt

Meine bitterste Niederlage als Trainer: Witzige Variante (falls die anderen es ein wenig lustiger gemacht haben): Es nicht geschafft zu haben, dass unsere Libera nicht im Vorderfeld pritscht.

Lieber Coachen oder trainieren: trainieren

Mein Ritual an Spieltagen: Als Co-Trainer in der Bundesliga bin ich mit dem Ball prellend durch die Halle gelaufen und habe mich erwärmt. Als Trainer war es das Anschauen der gegnerischen Mannschaft beim Einschlagen. Als Jugendtrainer habe ich keine Rituale, da kommt zu viel Unerwartetes dazwischen (lacht).

Das nervt mich am Volleyball-Trainer sein: Menschen, die die Arbeit als Trainer nicht schätzen, und Eltern, die nicht kooperieren

Auf eine einsame Insel würde ich mitnehmen: Meine Freundin, einen Volleyball und ein Netz

Diese Schlagzeile möchte ich mal über mich lesen: Nichts mit meinem Namen, lieber eine klassische „David-schlägt-Goliath-Geschichte“

A-Lehrgang: „Arbeit an Feinheiten war spannend!“

Glückwunsch noch einmal zum bestandenen A-Trainer-Schein. Laut Jimmy bist Du nach Paul Sens der zweitjüngste deutsche A-Trainer. Was ist das für ein Gefühl?

Es ist ein super Gefühl, in dem Alter schon an so einem hochklassigen Lehrgang teilnehmen zu dürfen. Die Teilnahme hat mir auf jeden Fall gezeigt, was es noch alles zu lernen gibt, was zum Volleyball noch dazugehört, wie komplex und spannend er ist. Der Trainerjob ist eine lebenslange Lernaufgabe – da ist die Lizenz ja nur ein kleiner Bruchteil.

Wie war der Umgang Dir gegenüber beim Lehrgang? Haben die anderen Teilnehmer komisch geguckt, weil Du noch so jung bist?

In meiner Wahrnehmung nicht. Insgesamt hatte ich auch den Eindruck, dass der Lehrgang relativ jung gewesen ist.

Warst Du zu Beginn sehr aufgeregt mit den älteren, zumeist erfahreneren Ex-Spielern und Trainern zusammen zu arbeiten?

Ja, das auf jeden Fall – auch wenn ich relativ wenig Teilnehmer im Vorfeld kannte. Außer zu Lisa Thomsen und Willy Belitzer hatte ich kein Gesicht vor Augen. Natürlich war es eine große Ehre. Ich war sehr gespannt auf den Austausch, weil viele von ihnen schon viele Jahre in hochprofessionellen Bereichen mit Profis gearbeitet haben und ich zu dem Zeitpunkt hauptsächlich im Jugendbereich unterwegs war.

4. Hattest Du „Welpenschutz“? Ist man mit Euch drei Jungen weniger hart umgegangen?

Mit Paul auf jeden Fall nicht (lacht). Mit Felix hat er natürlich einen sehr guten Lehrer und konnte deswegen auch viele Insider-Informationen in den Lehrgang einbringen. Bei Verena und mir hatte ich aber auch nicht den Eindruck. Nein.

Mit welchem Teilnehmer hattest Du am meisten Spaß bzw. hast Du am meisten von gelernt?

Das könnte ich jetzt gar nicht so sagen, die Gruppe hat sich immer wieder vermischt. Ich habe mich super mit allen verstanden und unterhalten können.

Jimmy sagt, der A-Schein ist, wie den Autoführerschein zu machen: Wirklich fahren lernt man erst hinterher. Siehst du das auch so?

Da will ich mich 100 % anschließen. Wir haben viele Impulse bekommen, ich hatte nach jedem Lehrgangsabschnitt Lust, die Dinge umzusetzen. Es wurde gezeigt, an welchen Feinheiten man wie arbeiten kann, und zwar sehr detailliert. Vieles davon hat man einfach gar nicht auf dem Schirm. Aber Praxis ist wirklich noch einmal etwas Anderes, das „Fahren“ lernt man nicht sofort.

Gab es in der Ausbildung Rückschläge die Dich haben zweifeln lassen ob das das Richtige für Dich ist?

Beim Lehrgang selbst gab es keine Rückschläge oder Dinge, die mich haben zweifeln lassen. Zwischen dem ersten und zweiten Block lag die Saison mit Erfurt, die ohne Frage schwierig war. Aber aus allen Teilen des Lehrgangs habe ich noch mehr Motivation gezogen.

Das Foto zeigt Norman nach der abgeschlossenen A-Trainerlizenz an der deutschen Sporthochschule in Köln.

Norman nach der abgeschlossenen A-Trainerlizenz an der deutschen Sporthochschule in Köln

Ich würde mir mehr Mut zu Kreativität wünschen!“

Wie bist Du zum Volleyball gekommen?

Durch meinen Sportlehrer Herrn Schmohl, der mich dazu gebracht hat, mal zu einem Verein zu gehen.

Warum bist Du Trainer geworden?

Nachdem ich selbst durch die Landesauswahl viel sehr gutes Training erleben durfte, war ich motiviert, das auch weiterzugeben. Das ist es auch, was meiner Meinung nach den Reiz am Trainerjob ausmacht: Man kann anderen etwas beibringen und sie zu besseren Volleyballspielern machen. Mit meinem Verein damals in Gera hatte ich zudem glücklicherweise ein sehr gutes Umfeld, sodass der Schritt hier in die Trainerlaufbahn gut möglich war – beispielsweise war mein Trainer Lehrwart in Thüringen.

Warum konzentrierst Du Dich jetzt schon auf Deine Trainerlaufbahn?

Ich konzentriere mich jetzt schon darauf, weil es unglaublich viel Spaß macht, vor allem zu sehen, wie man selbst Fortschritte bei anderen erzielen kann. Rückblickend sehe ich es aber als Fehler an, mit den Spielen komplett aufgehört zu haben, als ich angefangen habe zu studieren, und mich ausschließlich auf das Trainersein zu konzentrieren. Deshalb habe ich jetzt auch wieder mit Spielen anfangen. Eine Kombination aus beidem ist in meinen Augen sehr wichtig.

Hast Du Trainer-Vorbilder?

Ja, zum Beispiel die Trainer in Suhl, besonders Mathias Fritsch. Von ihm habe ich Einiges mitgenommen, besonders seinen Umgang mit Spielern und wie er es schafft, bei ihnen Leistungsfortschritte zu erzielen. Im Jugendbereich ist er wirklich mein Vorbild. Im Erwachsenen-Bereich ist es Jimmy. Besonders gefallen mir seine Ansichten, die dem derzeitigen „Mainstream“-Volleyball nicht unbedingt entsprechen, aber einfach erfolgreich und logisch sind. Ich würde mir wünschen, dass auch andere Trainer dahingehend mehr Mut zu Kreativität haben, auch wenn es dem derzeitigen Volleyball teils widerspricht. Deshalb würde ich gern mal ein Training von ihm sehen, das habe ich leider noch nicht geschafft.

Hattest Du schon mal Autoritätsprobleme? Wie bist Du damit umgegangen?

Autoritätsprobleme gab es bei meiner ersten Station als Jugendtrainer. Ich selbst war 15, die Spielerinnen zwischen 15 und 17. Das stellte sich teilweise als problematisch dar, da der Altersunterschied einfach zu klein war. Als ich im darauffolgenden Jahr eine neue Mannschaft übernommen habe, eine U13, habe ich probiert, meinen Trainingsstil anzupassen. Ich habe mir vorgenommen, jedes Jahr etwas klarer in meiner Linie zu werden, sodass ich seitdem keine Probleme mehr hatte. Gegen Autoritätsprobleme hilft nur, gute Antworten auf Fragen zu haben, gut zu planen und sich immer ordentlich auf jede Trainingseinheit vorzubereiten. Sich im Vorfeld zu überlegen: Warum mache ich gewisse Dinge? So können Störfeuer einfacher gelöscht werden.

Das Foto zeigt die komplette Volleyballmannschaft des HSV Weimar 2018/2019 mit Norman Hüttner.

Norman als Spieler (1. Reihe 1. rechts) beim HSV Weimar – Quelle: www.hsv-weimar.de

Ich wünsche mir mehr außergewöhnliche Spielzüge!“

Ist Volleyballtrainer Dein Traumjob?

Mein Traum-Nebenjob (lacht). Ich empfinde die Arbeit als schönen Ausgleich zum Alltag. Aber nur Trainer zu sein, wäre nichts für mich, habe ich festgestellt.

Was ist Dein persönliches Ziel für diese Saison?

Mein persönliches Ziel als Trainer ist, gutes Training zu geben. Das heißt, Training so zu gestalten, dass niemand über- oder unterfordert ist. Dass ich es schaffe, alle mitzunehmen, um unser Teamziel erreichen zu können. Ich möchte mich dahingehend weiterentwickeln, genau an den Zielen zu arbeiten, die ich verbessern möchte. Das ist, wenn man genauer hinschaut, wie wir es in der A-Ausbildung gemacht haben, nämlich gar nicht so leicht, weil man schnell zu Übungsformen greift, die nicht zum Ziel führen, die man aber „halt so“ macht.

Und was sind Deine Ziele für Euer Team?

Wir möchten mit unserer U14 zur Deutschen Meisterschaft und dort mit einem guten Platz abschneiden. Dafür möchten wir uns technisch und taktisch weiterentwickeln. Als zweites Ziel wollen wir aber auch noch mehr als Mannschaft zusammenwachsen.

Du hast in der Vergangenheit Saisons gehabt, in welchen deine Teams viel verloren haben. Hast du Tipps, wie man damit umgehen kann?

Stimmt, sowohl in Weimar als auch in Erfurt haben wir viel verloren. Zwei Sachen sind wichtig. Erstens muss man sich als Trainer immer fragen: Was kann ich besser machen? Man ist ja schließlich selbst derjenige, der agiert und Dinge bewegen kann. Zweitens muss man aber auch lernen, dass es Grenzen gibt und man nicht alles steuern kann, zum Beispiel alles außerhalb des Trainings. In meiner Zeit in Weimar hatte ich eine tolle Trainerkollegin, wir haben rückblickend wirklich methodisch sehr gute Trainingseinheiten gegeben und das Training ständig weiter verbessert – aber es hat in diesem Fall außerhalb der Halle in der Mannschaft einfach nicht funktioniert. Das mussten wir letztendlich akzeptieren lernen. Für Leute, die perfektionistisch veranlagt sind, ist das sehr schwer. Man sollte nie aufgeben und sich nicht entmutigen lassen. Trotzdem begeistert zu bleiben und Begeisterung weiterzugeben, kann sehr schwer sein. Man muss sich dann auch an kleinen Fortschritten hochziehen.

Gibt es aus Deiner Sicht besondere Herausforderungen als Jung-Trainer bei der Arbeit mit Jugendlichen den Eltern gegenüber?

Eigentlich nicht. Was das Alter betrifft, hatte ich da noch keine Probleme. Vielleicht würdigen die Eltern sogar eher den Einsatz, wenn sie sehen, wie jung das Gegenüber ist.

Wie sind Deine Erfahrungen mit anderen Trainern?

Bisher habe ich eindeutig überwiegend positive Erfahrungen mit Trainerkollegen gemacht. Vereinzelt habe ich aber auch schon Machtkämpfe miterleben müssen. Das ist aber die Ausnahme: Im Volleyball kann man sich eigentlich mit den meisten Trainern gut austauschen. Dennoch wünsche ich mir von einigen Trainern im Jugendbereich mehr Fairness. Zu oft erlebe ich noch, dass das Schiedsgericht, das von den Kindern selbst gestellt wird, von anderen Trainern angegangen wird und dass über jeden Punkt diskutiert wird. Wir sollten hier alle fairer werden und das auch schon den Kleinsten vermitteln.

Und wie war das in Deiner Zeit in Erfurt mit Profis?

Meiner Erfahrung nach haben die Profis die Tipps gut angenommen. Allerdings gibt es natürlich zwischen Jugend, Regionalliga und Bundesliga große Unterschiede in den Anforderungen an den Trainer. Auch das Training selbst ist von den Schwerpunkten her komplett anders. Diese verschiedenen Erfahrungen zu machen, hat mich auf jeden Fall um Einiges weitergebracht. Auch konnte ich an mancher Stelle eine andere Sichtweise mit einbringen. Aus der Zeit konnte ich sehr viel mitnehmen.

Spielt das Thema Medien und Presse eine Rolle bei Deiner Arbeit?

Mit der Presse hatte ich als Trainer bislang eher wenig Kontakt. In den Vereinen, in denen ich vor Erfurt gearbeitet habe, war die Herausforderung deshalb erstmal gewesen, überhaupt Pressearbeit zu leisten. Das bedeutet, mit der Presse in Kontakt zu kommen und selbst spannende Spielberichte zu schreiben. Daran habe ich mich ausprobiert und eingelesen, auch bei VolleyballFREAK auf der Seite. Das lohnt sich auf jeden Fall, denn keiner liest gern einen langweiligen Bericht. Neben der Trainingsplanung frisst sowas dann aber eine Menge Zeit und ist herausfordernd.

Hast Du eine Lieblingsübung als Trainer?

Im Jugendbereich finde ich folgende Übung ganz schön: Es werden Ziele im gegnerischen Feld markiert, die unterschiedlich viele Punkte bringen, wenn man auf sie angreift. Oder besser eher Ziele, die nicht getroffen werden sollen. Das hilft den Spielerinnen später, ihre Beobachtungsleistung zu schulen.

Was denkst Du ist Dein größter Erfolg bei der Arbeit mit einem Spieler gewesen?

Spontan würde mir Angelina Rosmus, eine Spielerin aus meiner Zeit in Gera, einfallen, die nun das Sportgymnasium besucht und kürzlich für die Sichtung zur Nationalmannschaft eingeladen wurde. Ich habe sie knapp zwei Jahre trainiert. Sie war immer eine sehr angenehme Spielerin. Ich habe immer versucht, ihr und den anderen Kindern neben den technisch-taktischen Fähigkeiten auch vor allem einen Fairnessgedanken mitzugeben. Das ist mir enorm wichtig, denn ich denke, dass ein respektvoller Umgang auch zu Erfolg führt – vor allem in einer Mannschaftssportart wie Volleyball.

Wir stellen uns vor, Du kannst etwas an Volleyball ändern: Was wäre das und warum?

Ich würde von mir aus nichts ändern wollen, ich finde den Sport einfach momentan sehr spannend und fair, jede Regeländerung ist eine Herausforderung. Was ich mir nur wünschen würde, wäre der Mut zu mehr taktischen Varianten, damit es auch mal außergewöhnliche Spielzüge gibt, auf die man dann wieder kreativ reagieren muss. Aber wie konkret man das in eine Regel bringen könnte, weiß ich nicht. Ich bin aber gespannt auf die Antworten meiner Trainerkollegen.

Die letzte Frage: Warum sollte auch andere junge Spieler Trainer werden?

Trainer zu werden, lohnt sich auf jeden Fall. Man kann so viel gestalten, man kann Kinder generell zum Sport bringen, für Volleyball begeistern, sich selbst ausprobieren. Spannend ist dabei für mich, immer neue Lösungswege zu entwickeln, um die Spielerinnen oder Spieler voranzubringen. Das ist manchmal wirklich eine Herausforderung, macht aber unglaublich viel Spaß.

Ich kann auch jedem nur empfehlen, eine Trainer- oder Übungsleiter-Ausbildung mitzumachen, die einem viele Impulse mitgibt. Man lernt dadurch den Sport noch viel intensiver kennen und profitiert davon auch als Spieler. Als Trainer hat man die Möglichkeit, die zukünftigen Volleyball-Generationen zu gestalten. Ganz egal, ob bei einem kleinen oder großen Verein. Immer wieder kommen ja auch Talente von kleinen Vereinen ganz oben an. Aus finanziellen Gründen sollte man es zumindest nicht tun (lacht).

Norman, vielen Dank für das Interview. VolleyballFREAK wünscht Dir für Deine Zukunft alles Gute und viel Spaß und Erfolg bei Deinen nächsten Schritten als Trainer und beim Verband!

*Laut Ausbilder Jimmy Czimek die jüngsten A-Trainer, seit er für die Ausbildung zuständig ist. Für die Jahre unter Athanasios Papageorgiou gibt es keine belastbaren Daten mehr.

Das Interview führte VolleyballFREAK Redakteur Tobias Goerlich. Bereits kurze Zeit nach dem Start des Blogs in 2014 schreibt Tobias regelmäßig für den VolleyballFREAK. Mehr zu Tobias hier

Titelbild: http://www.sebastian-schmidt-foto.de/