VolleyballFREAK hat für Euch mit den jüngsten A-Trainern und der jüngsten A-Trainerin gesprochen*: Warum sind sie schon so früh Trainer geworden, was sind ihre Ziele, was waren besondere Momente in ihrer bisherigen Karriere – und warum sollte man unbedingt auch Trainer werden?

In einer dreiteiligen Serie stellen wir Euch die „jungen Wilden“ vor. Den Anfang macht Verena Steinbacher.

Wenn wir mit dieser Serie junge Leute erreichen-, und sie zum Trainer werden motivieren können, haben wir unser Ziel erreicht!

Viel Spaß beim Lesen!

Inhaltsverzeichnis

Steckbrief

Das Foto zeigt Verena Steinbacher im Portrait

Interviewgast Verena Steinbacher gehört zu den jüngsten A-Trainern Deutschlands. (Foto: www.volleyball-bundesliga.de)

Name: Verena Steinbacher

Spitzname: Corny, wie der Riegel 😉

Alter: 24 Jahre

Beruf: Studentin im Masterstudiengang „Political Economy of European Integration“ und Trainerin. Beides mit etwa 50:50 Zeitaufwand

Volleyball aktiv seit: ich 13 bin

Meine Stationen: Landshut, Dingolfing

Volleyball Trainerin seit: ich 15 bin

Meine Stationen: Dingolfing Jugend, Bezirksauswahl (gemeinsam mit Wolfgang Schellinger), Landeskader Bayern 2000/01, Teammanager und Co-Trainerin Jugend-/ Junioren Nationalmannschaft, FTSV/NawaRo Straubing, Co-Trainerin VCO Berlin 1. Bundesliga

Mein größter Erfolg als Spielerin: Aufstieg in die Dritte Liga mit TV Dingolfing

Mein größter Erfolg als Trainerin: 6. Platz bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Argentinien 2017

Meine bitterste Niederlage als Trainerin: U17 EM 2018: 2:3 Niederlage gegen die Türkei, 15:17 im 5. Satz und damit nicht der Einzug ins Halbfinale

Lieber coachen oder trainieren? Coachen

Mein Ritual an Spieltagen/ Turnieren: (lacht) Bei meinen WM und EM-Teilnahmen muss ich nach Siegen bei den kommenden Spielen die gleiche Polo-Farbe tragen und möchte nicht wechseln. Da müssen dann auch alle anderen Trainer mitziehen.

Das nervt mich am Volleyball-Trainer sein: Schlechtere finanzielle und infrastrukturelle Möglichkeiten im Vergleich mit anderen Sportarten, so kann unser toller Sport leider schlechter nach außen dargestellt werden

Auf eine einsame Insel würde ich mitnehmen: Meine Familie, meine Freunde und ein Surfboard

Diese Schlagzeile möchte ich mal lesen: „Team Jugend wird Weltmeister“

Das Foto zeigt den jubelnden SV Dingolfing beim Aufstieg in die dritte Liga.

Auch als Spielerin auf hohem Niveau – 2016 wurde Verena Meister in der Regionalliga

A-Lehrgang: „Ich hatte sehr sehr viel Respekt – aber keine Angst!“

Glückwunsch noch einmal zum bestandenen A-Trainerschein. Laut Jimmy bist Du die jüngste deutsche A-Trainerin. Was ist das für ein Gefühl?

Vielen Dank. Das ist ein tolles Gefühl, allein den Schein überhaupt machen zu dürfen mit 24. Als ich vor vier bis fünf Jahren mit dem C-Schein angefangen habe war das weit im Hinterkopf schon mein Traum. Beim B-Schein wurde es dann schon konkreter, und als ich vom Bayerischen Verband für den A-Schein empfohlen wurde war das ein tolles Gefühl, dass die Leute an mich glauben.

Wie war der Umgang Dir gegenüber beim Lehrgang? Haben die anderen Teilnehmer komisch geguckt weil Du noch so jung bist?

Ich weiß nicht, ob sie komisch geguckt haben, aber es war für einige wahrscheinlich schon komisch zu sehen, dass Norman Hüttner, Paul Sens, und auch ich so jung sind. Ich muss dazu sagen, dass im Lehrgang auch insgesamt nur zwei Frauen waren: Lisa Thomsen und ich.

Warst Du zu Beginn sehr aufgeregt mit den älteren, zumeist erfahreneren Ex-Spielern und Trainern zusammen zu arbeiten?

100%. Ich habe zwar schon die Jugend-EM mitgemacht, trotzdem war sehr sehr viel Respekt dabei – aber keine Angst vor der Situation. Besonders vor Personen wie Lisa Thomsen oder Kay Matysik, die man sonst vom Spielfeldrand kennt und zu denen man aufschaut und mit denen man dann zusammenarbeiten durfte. Ich habe versucht, von ihnen zu lernen und mit offenen Ohren durch den Lehrgang zu gehen und zu reflektieren, was sie für Ideen haben. Gerade, wenn sie aus der eigenen Karriere erzählt haben, das war schon spannend!

Mal ehrlich: Hast Du „Welpenschutz“ im Lehrgang genossen?

Nein, würde ich nicht sagen. Ich finde auch, dass man den nicht gebraucht hat, weil man nicht mit unkonstruktiver Kritik konfrontiert wurde, dass man ihr nicht hätte standhalten können.

Mit welchem Teilnehmer hattest Du am meisten Spaß bzw. hast Du am meisten von gelernt?

Gelernt habe ich definitiv am meisten von Lisa. Sie hat mich sehr an die Hand genommen. Spaß hatte ich besonders mit Lisa, Paul und Thomas Ranner. Wir waren insgesamt eine sehr homogene Gruppe mit wenig Grüppchenbildung, jeder hat sich mit jedem ausgetauscht. Die zehn Tage sind schon ein bisschen wie ein Bootcamp.

Paul, Norman und Du als „junge“ besonders viel zusammen gemacht?

Das würde ich nicht sagen.

Jimmy sagt, der A-Schein vergleichbar mit dem Autoführerschein: Wirklich fahren lernt man erst hinterher. Siehst du das auch so?

Das sehe ich genauso. Wenn Du den A-Schein hast, hast Du die Lizenz. Es sagt aber nichts darüber aus, wie gut Du als Coach oder Trainer bist. Ich habe das Glück, vor und nach dem A-Schein von tollen Leuten lernen zu dürfen.

Gab es in der Ausbildung Rückschläge die Dich haben zweifeln lassen ob das das Richtige für Dich ist?

Nein, eigentlich nicht.
Das Foto zeigt ein Mannschafts mit Verena Breitenbacher bei der DVV Jugendnationalmannschaft.

Verena unterwegs mit dem Nachwuchs DVV unserer Schmetterlinge

Mein Trainer-Vorbild ist Marco Mencarelli“

Wie bist Du zum Volleyball gekommen?

Durch eine gute Freundin, die in Landshut schon gespielt hat. Davor habe ich eigentlich Leichtathletik gemacht. Mein Vater hat früher hobbymäßig Volleyball gespielt

Spielst Du aktuell selbst noch Volleyball?

Das klappt zeitlich leider nicht. Sonst gerne. Ich denke, dass jeder Coach auch selbst ein bisschen Volleyballverrückt sein muss, sonst würden wir uns nicht in die Halle stellen.

Warum bist Du Trainerin geworden?

Mir hat schon immer Freude gemacht, junge Menschen an Volleyball heranzuführen. Ich habe so viel Positives mit 16, 17 Jahren durch Volleyball erfahren dürfen, dass ich Lust entwickelt habe, jungen Leuten zu zeigen, was Vereinszugehörigkeit alles bedeuten kann. Man gibt etwas ab. Das war denke ich der Auslöser. Ich habe auch schon mal überlegt, Lehrerin zu werden (lacht).

Hast Du Trainer-Vorbilder?

Ich glaube, dass es bis jetzt zwei große Figuren in meinem Leben gab, die mich als Trainerin sehr geformt haben. Das waren Werner Kiermaier Landestrainer Bayern und Jens Tietböhl. Beide haben im hohen Leistungsbereich viel für mich möglich gemacht und mich an die Hand genommen. Gerade lerne ich auch von Manuel Hartmann viel, der jetzige Juniorinnen-Bundestrainer und mein Headcoach in Berlin. Mein Trainer-Vorbild ist Marco Mencarelli aus Italien. Er ist Juniorinnen-Nationalcoach in Italien und er hat eine klasse Umgangsweise mit den Spielern, er feiert am laufenden Band Erfolge, ist menschlich – hat aber dennoch eine klare Autorität.

Hattest Du schon mal Autoritätsprobleme wegen Deines Alters gehabt? Wie bist Du damit umgegangen?

Nein, nicht wirklich. Darüber habe ich in meiner Zeit als Trainerin in Straubing aber ein bisschen nachgedacht. In den letzten Heimspielen von NawaRo Straubing durfte ich bei Bene Frank in der 2. Bundesliga als Co-Trainerin auf der Bank sitzen. Da kam dann schon bei mir in Vorbereitung auf die Spiele im Kopf auf: Wie ist das wohl, wenn ich erfahrenen Spielerinnen wie z.B. Danica Markovic oder Celin Stöhr technische oder taktische Ratschläge gebe? Es gab aber tatsächlich nie ein Problem.

Denkst Du, dass es als junger und weiblicher Trainer härter ist?

Ich denke, dass man sich als junger, weiblicher Trainer speziell bei Frauen zunächst ein wenig durchboxen muss. Häufig wird man zunächst zum Beispiel mit Physiotherapeuten verwechselt.

Hattest Du als Trainerin bei Deiner Arbeit im männlichen Bereich Probleme?

Ich war bei Peter Meyndt bei der männlichen Jungendauswahl in Bayern als Co-Trainerin dabei, das gab überhaupt keine Probleme. Das hat zur Abwechslung sogar richtig Spaß gemacht.

Hattest Du schon mal Probleme mit männlichen Kollegen?

Nein, bis jetzt noch nicht.

Was ist für Dich der Unterschied in der Arbeit mit Jungs und Mädchen?

Mädchen sind mehr psychologisch anstrengend. Jungs können viel viel besser mit Kritik umgehen. Jungs können auch mal auf dem Feld selbst Probleme klären, das kann mit Mädchen problematischer sein. Die zicken ein bisschen mehr

Das Foto zeigt Verena Steinbacher auf der Trainerbank beim FTSV/NawaRo Straubing

Verena als Co-Trainerin auf der Bank beim FTSV/NawaRo Straubing

Profi-Volleyballtrainerin werden ist für mich ein Ziel“

Ist Volleyballtrainerin Dein Traumjob?

Ja, aber unter Vorbehalt. Ich denke, dass man als junger Trainer immer auch ein anderes Standbein haben sollte.

Möchtest Du Profi-Trainerin werden oder eher nebenberuflich arbeiten?

Gerade wenn man als junger Trainer seinen A-Schein macht, wäre es vermessen zu sagen: Das möchte ich nicht irgendwann mal machen. Ich versuche jetzt aber noch anderthalb Jahre hart zu arbeiten, damit ich nach dem Studium beide Möglichkeiten habe: In den Job einzusteigen oder eben die Arbeit als Profi-Volleyballtrainerin. Ich möchte mir die Option auf jeden Fall so lange wie möglich offenhalten und die Chance ergreifen, wenn sie sich ergibt.

Gibt es aus Deiner Sicht besondere Herausforderungen an Dich als Jung-Trainerin im Umgang mit Athleten, anderen Trainern, Sponsoren oder auch der Presse gegenüber?

Ja, das glaube ich schon. Der Begriff Erfahrung spielt hier sicher eine Rolle. Und die habe ich natürlich noch nicht in allen Bereichen. Ich versuche aber, vieles mitzunehmen, zu lernen und meine Fähigkeiten einzubringen, in dem Maße wie es dem Team hilft.

Was ist Dein persönliches Ziel für diese Saison?

Mein individuelles Ziel ist es, viel vom Junioren Bundestrainer zu lernen. Da ist das erste Mal Erstliga Luft schnuppere möchte ich einfach viel mitnehmen.

Und was sind Deine Ziele für Euer Team?

Beim VCO sind wir dafür zuständig, dass wir die Spieler individuell aber auch mannschaftstaktisch ausbilden. Manuel Hartmann und ich möchten, dass sich unsere Spielerinnen mit Freude und Spaß im Training und bei Spielen präsentieren. Wenn dann der ein oder andere Satz herausspringt, oder zur Rückrunde sogar ein Sieg, wäre das sicher toll. Aber unser Fokus liegt darauf, die Mädchen athletisch und volleyballerisch auf eine wirkliche Profikarriere vorzubereiten.

Welches sind Deine genauen Aufgaben aktuell bei VCO?

Wenn Manuel unterwegs ist, z.B. auf Sichtungen, ist meine Aufgabe, das Training zu übernehmen. Generell sprechen wir aber auch jedes Training ab: Was sind die Ziele, was wollen wir erreichen? Wir sind da in sehr offenen Diskussionen. Ich denke, er wertschätzt meine Meinung sehr. Wenn er da ist haben wir im Training unterschiedliche Aufgaben: Ich kümmere mich dann um eine Position, er um eine andere. Auch die Nachbereitung machen wir zusammen. Während des Spieltags mache ich click and scout wenn wir keinen Scout dabeihaben. Wenn wir einen Scout dabeihaben, dann geht es vor allem um die Gegnervorbereitung: Was macht der Gegner drüben, wie können wir dagegenhalten?

Das Foto zeigt das Teamfoto des VC Olympia Berlin mit Verena Steinbach als Co-Trainerin.

Verena schnuppert Erstliga-Luft beim VC Olympia Berlin (Foto: www.vcoberlin.de)

Hast Du eine Lieblingsübung als Trainer?

Ich finde Crunchtime Volleyball mit 6 gegen 6 immer cool, ab 18:18. Da hat immer jeder Bock drauf. Und als Aufwärmübung Baggertennis im 3m-Raum. Das kann jeder, da haben wir immer viel Spaß dabei.

Was denkst Du ist Dein größter Erfolg bei der Arbeit mit einem Spieler gewesen?

Ich denke, mein größter individueller Erfolg bei der Arbeit mit einer bzw. sogar zwei Spielerinnen war das Vorbereiten der zwei auf die Europameisterschaft im Jugendbereich: Amelie Busch jetzt in Vilsbiburg im Internat und spielt 2. Bundesliga, Jahrgang 2002 und Valbona Ismaili Doppelspielrecht NawaRo Straubing 1.BuLi und Regionalliga, Jahrgang 2003.

Beide haben letztes Jahr in Straubing bei NawaRo/FTSV in meiner Mannschaft trainiert und gespielt und waren dann gut genug, um vom Bundestrainer im April mit zur U17 EM genommen zu werden. Das war cool und da war ich auch schon ein bisschen stolz 😉

Wir stellen uns vor, Du kannst etwas an Volleyball ändern: Was wäre das und warum?

Puh, schwer. Ich denke gerade darüber nach, was uns als Jugendnationalmannschaft einen Vorteil bringen könnte (lacht). Ich glaube tatsächlich, dass ich kürzere Sätze machen würde. Sätze bis 15, da würde ich mitgehen. Und die technischen Auszeiten rausnehmen. So geht es schneller in die Crunchtime. Das liebe ich einfach.

Die letzte Frage: Warum sollte auch andere junge Spieler Trainer werden?

Wenn ich im Jugendbereich bleibe, gibt es nichts Schöneres, als den Weg von Kindern oder Jugendlichen zu begleiten, die mit Volleyball zu tun haben. Das kann auf ganz normaler Vereinsebene sein, bis hin zum Höchstleistungssport. Ich glaube, dass Volleyball ganz viele Werte vermittelt und dass man gerade von jungen Spielern sehr viel zurückbekommt. Es gibt nichts schöneres.

Verena, vielen Dank für das Interview. VolleyballFREAK wünscht Dir für Deine Zukunft alles Gute und viel Spaß und Erfolg bei Deinen nächsten Stationen!

*Laut Ausbilder Jimmy Czimek die jüngste A-Trainerin, seit er für die Ausbildung zuständig ist. Für die Jahre unter Athanasios Papageorgiou gibt es keine belastbaren Daten mehr.

Das Interview führte VolleyballFREAK Redakteur Tobias Goerlich. Bereits kurze Zeit nach dem Start des Blogs in 2014 schreibt Tobias regelmäßig für den VolleyballFREAK. Mehr zu Tobias hier

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