Anders als in der 90er Jahre TV-Serie „Familienduell“ mit Werner Schulze-Erdel haben wir nicht mit 100 Leuten gesprochen, sondern nur mit zweien, und das aus gutem Grund!

Am 22. Februar stehen sich bei der Partie in der 2. Bundesliga der Frauen zwischen dem TSV Bayer 04 Leverkusen und SV Bad Laer zwei Trainer gegenüber, die sich sehr gut kennen:

„Papa“ Süha Sami Yağlıoğlu ist schon seit Jahren als Volleyballtrainer aktiv. Foto: Björn Kaisen

Süha Sami Yağlıoğlu und Tigin Yağlıoğlu. Oder auch Vater und Sohn. Süha Yağlıoğlu ist seit dieser Saison Trainer bei Bad Laer, Tigin ist Headcoach in Leverkusen. Im Vorfeld dieses besonderen, unseres Wissens einmaligen Vorgangs, haben wir mit ihnen gesprochen. In der Hinrunde musste dieses Duell der besonderen Art leider ausfallen, da Vater Süha wegen eines Krankenaufenthalts sein Team beim 3:1 Sieg nicht an der Linie betreuen konnte.

VolleyballFREAK stellt Euch die beiden vor, die Teil einer volleyballverrückten Familie sind.

Nach dem Spiel werden wir noch einmal mit beiden sprechen und schauen, wie sie die Partie erlebt habe, und was der Ausgang des Spiels für ihr Verhältnis bedeutet.

Das werdet ihr dann nächste Woche im 2. Teil bei VolleyballFREAK lesen können.

Die Steckbriefe von Süha & Tigin Yağlıoğlu

NameSüha Sami YağlıoğluTigin Yağlıoğlu
Geburtstag30.05.195817.08.1991
Wann begonnen mit Volleyball
Als Spieler1999- 2001 Spieler bei SSG Hamm Oberliga/ Verbandsliga 1996- 1998 Spielertrainer in den unterschiedlichen Klassen beim SCU Lüdinghausen 1993- 1996 Spielertrainer in der Verbandsliga beim TV 1992-1993 Spielertrainer in der Regionalliga beim Lüner SV Gladbeck 1989- 1991 Spielertrainer in der Verbandsliga beim SSG Hamm 1982- 1986 1.Bundesliga- Spieler beim SSF Bonn 1976- 1981 1.Liga- Spieler in Istanbulaußer U20WDM 2008 nur eine Handvoll Spiele bestritten…
Als Trainer1979- 1981 Co- Trainer der türkischen Jugendnationalmannschaft 1986- 1988 2.Bundesliga- und Jugendtrainer beim 1.VC Schwerte (Damen) 1988-1990 1.Bundesliga- und Jugendtrainer beim USC Münster 1989- 1991 Trainer 1.Herrenmannschaft des SSG Hamm Jugendkoordinator des SSG Hamm Jugendtrainer in verschiedenen Altersklassen Verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung von Jugend- Trainern 1991- 1993 Stadtsportlehrer beim Sportamt- und Bäderamt der Stadt Lünen Verbesserte Integration von Ausländerkindern in den Vereinen durch Heranführung an den Leistungssport Talententwicklung und Talentförderung bei Kindern im Grundschulalter Fortbildungseinheiten für Lehrkräfte Trainer der Regionalliga Herren beim Lüner SV Jugendtrainer beim Lüner SV 1993- 1996 Sportlicher Leiter beim TV Gladbeck Zuständig für die Integration ausländischer und arbeitsloser Jugendlicher Übungsgruppen Trainer der Verbandsliga Herren beim TV Gladbeck Fachkraft für Kinder- und Jugendarbeit Koordination von Schul- und Vereinssport 1996- 1998 Talententwicklung und Talentförderung von Grundschulkindern im Landesprogramm des Ministeriums für Kultur+ Sport in Kooperation mit Schulleitern, Lehrern und Eltern Zuständig für die Integration ausländischer und Jugendlichen unterschiedlicher Randgruppen Sportlicher Leiter beim SCU Lüdinghausen Volleyball 1997- 2019 Sportlicher Berater und Trainer beim ASV Senden Volleyball 3. Liga Jugendtrainer und Betreuer in den verschiedensten Altersklassen der weiblichen Jugend des ASV Senden Leiter des Landesprogramm „Talentsuche und Talentförderung“, Vernetzung zwischen Schul- und Vereinssport Fachkraft im Verbandsleistungsstützpunkt des Westdeutschen Volleyballverbandes (WVV) und Talentförderungsprojektes des Landessportbundes und des Ministeriums für Stadtentwicklung, Kultur und Sport Heranführen von Jugendlichen an den Leistungssport Fachkraft im Volleyball- Teilinternat Trainer der Regionalliga- Damen des ASV Senden Seit 2019 Trainer 2. Bundesliga SV Bad LaerSeit 2019 TSV Bayer 04 Leverkusen, 2. Bundesliga Damen + weibliche U202017-2019 TSV Bayer 04 Leverkusen Oberliga Damen + weibliche U20 und U182013- 2017 Oberaußemer VV Bezirksliga- Verbandsliga Damen+ weibliche Jugend2012- 2013 SSV Hamm Oberliga Herren Co- Trainer2005- 2011 ASV Senden Bezirksliga- Regionalliga Damen+ weibliche Jugend, Co- Trainer
Größte Erfolge/ TitelMeine Kinder 😉In meiner kurzen Laufbahn als Trainer…. Medaille bei den WDM, Oberligameister…
TrainervorbildAndrzej Niemczyk! War ein toller Trainer und FreundMein Vater  

„Papa ist der beste Trainer der Welt“

Tigin Yağlıoğlu eifert seinen Vater Süha als Volleyballtrainer hinterher. Aktuell trainiert er die Damen vom TSV Bayer Leverkusen in der 2. Volleyball Bundesliga

Wenn Tigin von Vater Süha spricht, leuchten seinen Augen. Der große Respekt vor ihm und seiner Arbeit ist zu spüren. „Für mich ist mein Papa der weltbeste Trainer: Es gibt meinen Papa, dann kommt lange nicht, dann irgendwann kommt Giovanni Guidetti!“ Als größte Stärke sieht Tigin, dass sein Vater aus den vorhandenen, selbst-ausgebildeten Spielerinnen immer das Maximum herausholt. So sind bei der Arbeit von Süha Yağlıoğlu in den vergangenen mehr als zwanzig Jahren viele Talente für den deutschen Volleyball hervorgegangen, beispielsweise Lea Hildebrand, Cynja Tillmann oder Mia Kirchhoff. „Ich habe viele Spielerinnen in die Nationalmannschaft oder Bundesliga gebracht. Bestimmt zehn meiner Spielerinnen aus Senden spielen in der 2. Bundesliga“, ist der erfahrene Trainer stolz.

Süha Yağlıoğlu arbeitete 21 Jahre beim ASV Senden. Wie bei einem Kleinstadtverein üblich, zog es die meisten Spielerinnen nach dem Abitur in größere Städte, hin zu anderen Clubs. Für den Trainer bedeutete dies, die Arbeit mit dem nächsten Jahrgang fortzusetzen. „Und das hat er kontinuierlich so getan, viele Jahre.“ So umreißt Tigin die Arbeit seines Vaters mit den Worten „er ist ausbildender Jugendtrainer.“

Etwas, das Vater Sühas Art, Volleyball zu lehren, ausmache, sei das kreative Volleyballspiel: „Papa lässt viele Kombis spielen, bildet universell aus, so kann auch mal das Zuspiel von der Position 3 oder auch 4 vorkommen.“

Yağlıoğlu Sen. sagt, dass er bis heute noch in jedem Training etwas dazu lernt, von seinen eigenen Spielerinnen. Für ihn ist jeder Ball im Volleyball anders, das Volleyballspiel selbst sei die beste Übung um Volleyball zu lernen, da es so unglaublich komplex sei und aus 1000 Übungen bestehe.

Als Saisonziel gibt Bad Laers Trainer für sein Team den Klassenerhalt aus. Hierfür sieht es aktuell gut aus – von 18 Spielen konnte sein Team acht gewinnen und steht auf Platz sieben der Tabelle.

Volleyballtrainer Süha Sami Yağlıoğlu freut sich über den gewonnen Spielzug seines Teams. Foto: Kaisen

Tigin: „Olympia ist mein Ziel!“

Auch im Gespräch mit Süha ist der große Stolz auf seinen Sohn herauszuhören. Er beschreibt seinen Sohn als Trainer mit vielen Fähigkeiten wie Fleiß, Geduld und Ehrgeiz, zudem mit einem guten Auge für Techniken. „Ich bin nicht nur stolz auf seinen Weg als Trainer sondern auf sein Leben. Auf das von meinen beiden Kindern. Das ist doch klar.“

Tigin selbst bezeichnet sich als einzigen Nicht-Volleyballer in einer volleyballverrückten Familie: Vater Süha spielte ab dem Alter von siebzehn in der türkischen Bundesliga, Mutter Yurdagül war türkische Nationalspielerin – und Schwester Tilbe hat gerade ein Volleyball-Stipendium in den USA.

Er selbst habe nur eine Handvoll Spiele bestritten, sein Terrain ist eher das des Kleinfeldfußballs. Hier darf er sich auch Weltmeister 2018 nennen. Papa Süha erzählt, dass sein Sohn praktisch im Ballwagen großgeworden sei, sein erstes Spiel mit drei Monaten erlebt habe. Volleyball lag also praktisch in Tigins Genen.

Yağlıoğlu Jun. beschloss vor einigen Jahren, alles auf die Karte „Volleyball-Trainer“ zu setzen. Aktuell scheint es gut für ihn zu laufen: Er ist Trainer in der 2. Liga, hat einen Lehrauftrag an der Sporthochschule inne und arbeitet beim WVV als Nachwuchskoordinator. Sein großes Ziel ist es, einmal als Trainer mit einer deutschen Mannschaft bei Olympia dabei sein zu dürfen. „Ich hoffe, dass ich das nötige Quäntchen Glück habe und zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.“ Seinen Weg zum Profi-Trainer sei aber noch weit. Als seinen bisher größten Erfolg führt er an, vielen Kindern, die noch nie Volleyball gespielt haben, das Pritschen beigebracht zu haben.

Tigins Ehrgeiz tritt auch bei der Frage nach dem Saisonziel zu Tage: „Ich möchte unter die ersten Drei kommen und möglichst jedes Spiel gewinnen. Jedes Spiel können er und sein Team nicht mehr gewinnen – nach Möglichkeit aber das kommende gegen Bad Laer. Dann wäre auch der Anschluss an die Top-4 wieder hergestellt und das Saisonziel in greifbarer Nähe.

Tigin Yağlıoğlu in der Auszeit bei seinen Damen aus Leverkusen

Vater und Sohn sind beste Freunde

Für Tigin ist sein Vater noch immer der erste Ansprechpartner, wenn es um Volleyball geht. Beide betonen den gegenseitigen regen Austausch. Mutter Yurdagül sagt über das Verhältnis von Tigin und Süha, dass es mehr an beste Freunde denn an ein Vater-Sohn Verhältnis erinnere. „Damit liegt sie nicht verkehrt“, so Tigin lachend.

Auch Süha sagt, dass er von Tigin dazu lernt, speziell bei spielnahen Übungen, die Tigin an der Sporthochschule kennen gelernt hat. Süha ist aber wichtig zu betonen, dass er nur Ratschläge und niemals Anweisungen gibt. „Tigin muss seinen eigenen Weg gehen. Ich denke, momentan hat er noch viel meine Spielphilosophie im Kopf, er wird in der nächsten Zeit aber eine eigene entwickeln.“

Gefragt nach den eigenen Schwächen sagt Tigin, dass das eine lange Liste ergeben könnte. Als größte Herausforderung sieht er aber in seiner Rookie-Saison als Bundesligatrainer das Managen des Kaders an: Spielanteile zu verteilen und mit den erfahrenen Spielerinnen auf Augenhöhe zu interagieren. „Ich versuche es Menschen möglichst Recht zu machen. Und Leistungssport ist halt häufig ungerecht. Da brauche ich ein dickeres Fell.“

Süha Yağlıoğlu: „Leverkusen ist Favorit!“

Angesprochen auf den Ausgang des Spiels, gibt Tigin die Antwort seines Vaters wieder: „Mein Papa sagt: Wir sind Neunte des Vorjahres und spielen gegen den Vorjahres-Vizemeister. Bayer hat 10.000 Mitglieder, in Bad Laer leben 10.000 Menschen. Wenn Tigin das Spiel gewinnt habe ich ihn gut ausgebildet. Wenn wir gewinnen, ist er noch nicht so weit. –  Ich kann also nicht gewinnen.

Süha ergänzt: „Leverkusen ist Favorit. Wir sind sehr eingespielt, das Team hat mein System verstanden. Unser Vorteil ist, dass wir ohne Druck aufspielen können. Wir werden uns über jeden Punkt freuen und kämpfen. Im Hinspiel ist so der 3:1 Sieg des Außenseiters gegen die Favoriten aus Leverkusen herausgesprungen.

Ob am Ende Leverkusen jubeln darf oder dich wieder der SV Bad Lear erfährst du nächste Woche in Teil 2 des Volleyball Familienduells.

Beide sind sich aber sicher: „Das Spiel wird unser Verhältnis nicht ändern.“ Ein Trost bleibt beiden, wenn ihr Team verlieren sollte: „Meine Frau ist für den Verlierer“, so Süha Yağlıoğlu.

Ach, zum Ende des Gesprächs ist Tigin doch noch eine Schwäche seines Vaters eingefallen: „Er hat es nie geschafft, mit seiner Jugend den Titel zu holen. Viele Vizetitel und dritte Plätze waren dabei – aber nie der Titel“, so Tigin. Allerdings mit einem Schmunzeln. Respekt muss sein.

Ein herzlicher Dank geht an Süha und Tigin Yağlıoğlu für die interessanten, offenen Gespräche. Das Gespräch mit Tigin fand am 24. Oktober an der Deutschen Sporthochschule statt, das Gespräch mit Süha Yağlıoğlu am 8. November per Telefon. Tigin und Redakteur Tobias Goerlich waren für eine Saison Trainerkollegen beim Oberaußemer VV.

Bereits kurze Zeit nach dem Start des Blogs in 2014 schreibt Tobias regelmäßig für den VolleyballFREAK. Mehr zu Tobias hier