Die Hälfte der Saison ist gespielt. Manche Ziele sind bereits erreicht, andere wirken plötzlich weit entfernt – oder haben sich komplett verändert. Genau jetzt lohnt sich für viele Teams ein ehrlicher Blick auf die Kaderplanung. Denn auch wenn der Saisonstart längst vorbei ist, kann es absolut sinnvoll sein, die Spieler:innen-Such-Maschine erneut anzuwerfen.

Warum mitten in der Saison suchen?

Die Gründe dafür sind vielfältig und in den meisten Fällen völlig legitim:

  • Spieler:innen haben sich verletzt oder fallen länger aus
  • Leistungen entwickeln sich anders als erwartet – in beide Richtungen
  • Ausfälle durch Schule, Studium, Job oder Prüfungsphasen häufen sich
  • Schwangerschaften oder familiäre Veränderungen stehen an
  • Der Kader ist zahlenmäßig oder positionsspezifisch zu dünn
  • Ambitionen des Teams haben sich verändert (z. B. Aufstiegskampf statt Klassenerhalt)

All das sind keine Zeichen von schlechter Planung, sondern Ausdruck der Realität im Amateur- und Leistungsvolleyball. Wichtig ist, wie Vereine und Trainer:innen mit dieser Situation umgehen – nach innen und nach außen.

Manchmal liegt das Gute ganz nah: Verstärkung aus dem eigenen Verein?

Bevor die Suche nach außen geht, lohnt sich ein ehrlicher Blick nach innen. Denn manchmal ist die passende Verstärkung bereits im eigenen Verein vorhanden – nur eben in einem anderen Team.

Mögliche Optionen:

  • Spieler:innen aus höheren oder niedrigeren Mannschaften
  • Talente aus der eigenen Jugend
  • Wiedereinsteiger:innen, die aktuell „nur“ in einer zweiten Mannschaft aktiv sind

Gerade zur Saisonhalbzeit kann das für alle Seiten eine Win-win-Situation sein:
Spieler:innen bekommen neue Impulse, mehr Verantwortung oder ein anderes Leistungsumfeld – und das Team schließt kurzfristig Lücken, ohne lange Eingewöhnungszeit.

Der entscheidende Punkt: saubere Kommunikation

Interne Lösungen sind jedoch sensibel. Nichts sorgt schneller für Unruhe als das Gefühl, „abgeworben“ oder übergangen zu werden. Deshalb gilt hier mehr denn je: Transparenz vor Aktionismus.

Wichtige Leitlinien:

  • Gespräche immer zuerst mit den verantwortlichen Trainer:innen der betroffenen Teams führen
  • Keine Zusagen „hinter dem Rücken“
  • Klar kommunizieren, ob es um Aushilfe, Perspektivtraining oder einen festen Wechsel geht
  • Auch Nein sagen dürfen – ohne negative Konsequenzen

Gerade bei Jugendspieler:innen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Entwicklung braucht Zeit, und nicht jede schnelle Hochziehung ist automatisch der richtige Schritt.

Perspektiven statt Konkurrenzdenken

Wenn interne Wechsel gut begleitet werden, können sie die Vereinskultur stärken, statt sie zu belasten. Entscheidend ist die Haltung:
Es geht nicht darum, Teams gegeneinander auszuspielen, sondern gemeinsam Lösungen zu finden.

Ein transparenter Satz kann viel bewirken:

„Wir suchen eine Lösung für die aktuelle Situation – und wollen dabei alle Teams im Verein im Blick behalten.“

So entsteht Klarheit. Und Klarheit verhindert böses Blut.

Externe Suche: Die richtige Ansprache: ehrlich, klar, wertschätzend

Der erste Schritt ist die Kommunikation. Ob Social Media, Vereinswebsite oder persönliche Kontakte: Die Ausschreibung sollte realistisch und transparent sein.

Statt leerer Phrasen wie

„Ambitioniertes Team sucht Verstärkung“

lieber konkret:

  • Welche Liga?
  • Welche Trainingszeiten und -umfänge?
  • Welche Position(en) werden gesucht?
  • Welche Erwartungen gibt es – sportlich und zeitlich?
  • Was bietet das Team (Struktur, Stimmung, Entwicklungsmöglichkeiten)?

Wichtig: Niemand möchte „Lückenfüller:in“ sein. Formulierungen sollten klar machen, dass neue Spieler:innen eine echte Chance bekommen – nicht nur als Notlösung.

Wer wird angesprochen?

Zur Saisonhalbzeit melden sich häufig andere Profile als im Sommer:

  • Spieler:innen, die in ihrem aktuellen Team wenig Einsatzzeit bekommen
  • Rückkehrer:innen nach Verletzungen
  • Studierende oder Berufstätige mit veränderter Verfügbarkeit
  • Spieler:innen, deren Team sich aufgelöst hat oder nicht mehr passt

Diese Menschen bringen oft Erfahrung mit – aber auch Unsicherheit. Umso wichtiger ist ein offenes, respektvolles Auftreten.

Probetraining: Umgang auf Augenhöhe

Ein Probetraining ist keine Castingshow. Es ist ein gegenseitiges Kennenlernen.

Vor dem Training

  • Begrüßung mit Namen
  • Kurz erklären, wie das Training aufgebaut ist
  • Erwartungen benennen: „Schau dir alles in Ruhe an, wir schauen auch.“

Während des Trainings

  • Korrekturen ja – aber wohlüberlegt
  • Neue Spieler:innen nicht permanent unterbrechen
  • Korrekturen lieber dosiert und erklärend statt bewertend
  • Kein Bloßstellen, kein Vergleichen mit Stammspieler:innen

Ein guter Richtwert: So coachen, wie ihr auch eure eigenen Spieler:innen coachen möchtet, wenn sie neu in ein Team kommen.

Wie viele Probe-Einheiten sind sinnvoll?

In den meisten Fällen haben sich 2–3 Probetrainings bewährt:

  • 1. Einheit: Ankommen, Atmosphäre, Grundniveau
  • 2. Einheit: Einbindung ins Spiel, Kommunikation, Dynamik
  • 3. Einheit (optional): Feinere Bewertung, Positionsspezifika

Wichtig ist, dass diese Anzahl vorab kommuniziert wird. Das gibt beiden Seiten Sicherheit und verhindert falsche Erwartungen.

Wertschätzende Absagen – ein oft unterschätzter Punkt

Nicht jede Probe endet mit einer Zusage. Und das ist okay. Entscheidend ist wie abgesagt wird.

Eine gute Absage ist:

  • zeitnah
  • persönlich (Gespräch oder Telefon, nicht nur WhatsApp-Einzeiler)
  • ehrlich, aber respektvoll

Beispiel:

„Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir haben uns im Trainer:innenteam besprochen und uns aktuell für eine andere Lösung entschieden. Das sagt nichts über deine Qualität aus – wir sehen einfach gerade einen anderen Bedarf. Alles Gute für deinen weiteren Weg.“

Das kostet wenig Zeit, hinterlässt aber einen professionellen Eindruck – und vielleicht sieht man sich später wieder.

Leitfaden für das Gespräch nach dem Probetraining

Ein strukturiertes Gespräch hilft beiden Seiten:

Mögliche Leitfragen:

  • Wie hast du dich im Training gefühlt?
  • Passt der Trainingsumfang für dich?
  • Wie sieht deine zeitliche Verfügbarkeit realistisch aus?
  • Was erwartest du vom Team, vom Trainer:innenstab?
  • Welche Rolle kannst du dir vorstellen?

Wichtig: Zuhören. Spieler:innen suchen nicht nur Spielzeit, sondern auch Verlässlichkeit, Kommunikation und Wertschätzung.

Fazit: Nachjustieren ist kein Scheitern

Spieler:innensuche zur Saisonhalbzeit ist kein Eingeständnis von Fehlern, sondern Ausdruck von Verantwortung. Wer offen kommuniziert, fair testet und respektvoll entscheidet, stärkt nicht nur den Kader – sondern auch die Kultur im Verein.

Und genau diese Kultur entscheidet am Ende oft darüber, wer bleibt, wer sich entwickelt – und wer Volleyball langfristig liebt.