Das Jahr 2026 geht in die Geschichte des deutschen Beach-Volleyballs ein: Nach über drei Jahrzehnten Kulterlebnis am Timmendorfer Strand zog das Saison-Highlight – die Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften – um in den Revierpark Wischlingen in Dortmund. Ein gewagter Schritt, der im Vorfeld für mächtig Diskussionsstoff gesorgt hat. Fehlt im Binnenland das Ostsee-Feeling? Kann eine Park-Arena den Mythos Timmendorf ersetzen?

Ich war für euch zusammen mit meiner Frau und den Kids vor Ort, habe vier Tage lang die Stimmung aufgesaugt und den Revierpark auf Herz und Nieren geprüft. Hier ist meine ganz persönliche, ehrliche Rezension für die Volleyballfreak-Community!

1. Die neue Location: Arena-Atmosphäre & Revierpark-Vibe

Center Court & Stimmung: Maximale Gänsehaut

Rappelvoller Center Court am Finalwochenende bei der Premiere in Dortmund. Foto: Volleyballfreak
Rappelvoller Center Court am Finalwochenende bei der Premiere in Dortmund. Foto: Volleyballfreak

Fangen wir direkt mit dem Herzstück an: Die neue Groß-Arena mit über 6.800 Plätzen ist eine echte Ansage! Wenn der Centercourt gerade an den Finaltagen bis auf den letzten Platz gefüllt ist, brennt hier die Hütte. Wenn 2.000 Menschen mehr als in Timmendorf gemeinsam Stimmung machen, ist das noch einmal eine völlig andere Hausnummer. Das Prädikat „Beach-Volleyball Festival“ trifft es auf den Punkt.

  • Sicht: In den unteren Reihen (Reihe 1 bis 20) bist du hautnah an der Netzkante und spürst jeden geilen Angriff oder Abwehraktion. Weiter oben wird es naturgemäß etwas kleiner, aber der Überblick ist top und die Stimmung reißt dich überall mit.
  • Sound & Lautstärke: Hier gibt es von mir einen kleinen Kritikpunkt. Auf den Neben-Tribünen direkt bei den Boxen war es phasenweise schlichtweg zu laut. 10 bis 15 Dezibel weniger hätten der Stimmung keinen Abbruch getan – Gehörschutz war vor allem an den ersten Tagen morgens fast Pflicht!
  • Entertainment & DJs: Die Mischung aus etablierten GBT-DJs und den von den österreichischen Events bekannten Stimmungsmachern „Pfeilgrad Entertainment“ hat super funktioniert. Für mich persönlich war das Entertainment noch mal eine Stufe über dem gewohnten Tour-Standard.
  • Fan-Kultur: Pyro-Highlights, liebevoll gestaltete Choreo-Tapeten mit allen Namen der Teilnehmenden und die inoffizielle „Seifenblasenpistolen-Pflicht“ haben dem Centercourt eine richtig geile, eigene Note verliehen.

Side Courts: Ein riesiges Upgrade gegenüber Timmendorf!

Sidecourts mit viel Platz und trotzdem ganz nahe am Stadion. Foto: Volleyballfreak
Sidecourts mit viel Platz und trotzdem ganz nahe am Stadion. Foto: Volleyballfreak

Ein echter Pluspunkt für alle echten Volleyball-Taktiker und Familien: Die Nebencourts. In Timmendorf war drumherum oft alles eng und gedrängt. In Dortmund stehen die Nebenfelder eingebettet zwischen einem leichten Hügel und alten Bäumen.

  • Zuschauerplatz & Schatten: Durch die Hanglage konnten locker mehrere hundert Fans pro Court entspannt das Geschehen verfolgen. Bei Sonne boten die Bäume kühlen Schatten, bei leichtem Regen saß man nahezu  im Trockenen.
  • Fannähe: Auf den Side Courts erlebt man die Emotionen der Teams ungefiltert ohne Dauer-Beschallung. Megafone, spontane Fangesänge und pure Court-Atmosphäre – so macht Zusehen Spaß!
  • Wege: Keine Staus, keine Engpässe! Vom Centercourt läuft man keine 50 Meter rüber. Sobald auf einem Court ein Match vorbei war, strömten die Fans flüssig hin und her.

2. Gelände, Logistik & Fan-Experience

Infrastruktur & Wegekonzept

Wo man in Timmendorf an der Promenade im Schneckentempo feststeckte, punktet der Revierpark Wischlingen mit enormer Weitläufigkeit. Die Zugänge zum Stadion waren entspannt, Wartezeiten gab es eigentlich gar nicht.

  • Toiletten-Situation (Großes Lob!): Wer Timmendorf kennt, erinnert sich an endlose Schlangen. In Dortmund gab es ausreichend kostenlose, dauerhaft gereinigte Toilettencontainer. Selbst am Finalsonntag war alles sauber – top organisiert! (Einziger Appell an die männlichen Fans: Wenn das Angebot so gut ist, müssen die Büsche im Park wirklich verschont bleiben!)
  • Familienfreundlichkeit: Der Revierpark ist für Familien ein Traum. Neben einem riesigen Wasserspielplatz und Spazierwegen liegt das örtliche Schwimm- und Freibad direkt nebenan. Bei der Hitze zwischendurch ein paar Bahnen ziehen oder im Solebad entspannen – genial! Übrigens: Auch der ein oder andere Pro-Spieler wurde im Schwimmbad beim Duschen gesichtet.
  • Camping: Das Festival-Campingareal war top aufgestellt, erstaunlich ruhig und friedlich. Kein Vergleich zu extremen Musikfestivals, sondern echtes Community-Feeling.

Gastro & Sponsorendorf

Der Weg vom Centercourt zur Food-Area war als Sponsorenmeile angelegt. Von der VW-Popcorn-Station über die legendäre REWE-Schilder-Bastelei bis hin zum Verkaufsdorf war einiges geboten.

  • Getränkepreise: Sehr fair! (Cola/Schorle ca. 2 €, Bier/Radler um 4 €).
    • Wie bei den anderen Tour-Stopps auch gab es wieder kostenfreie Wasserspender: Das ist top!
  • Verpflegung: Die Auswahl war gut (Nudeln, Burger, Bowls, Pizza, Pasta), allerdings waren die Preise recht knackig (z. B. Nudelbox 12 €, Burger 11 €) bei durchschnittlicher Festival-Qualität.

3. Sportliche Highlights & Turnier-Analyse

Sportlich bot die DM 2026 Dramatik, Tränen und echte Überraschungsmomente!

Die Frauen-Konkurrenz: Emotionen pur & ein historischer Titel

Kim van de Velde und Sandra Ittlinger sind die Siegerinnen 2026. Foto: Volleyballfreak
Kim van de Velde und Sandra Ittlinger sind die Siegerinnen 2026. Foto: Volleyballfreak
  • Der emotionale Höhepunkt: Der Turniersieg von Kim van de Velde (zusammen mit Sandra). Erst nach der Geburt ihres zweiten Kindes ohne feste Partnerin in die Saison gestartet, nachgerückt und am Ende die Goldmedaille in den Händen gehalten. Ihre Sieges-Rede auf dem Centercourt hat wohl niemanden auf den Tribünen kaltgelassen – echter Gänsehaut-Moment!
  • Das Drama um Grüne/Uhl: Im Halbfinale lief es nicht rund, im Spiel um Platz 3 musste Anna Grüne schließlich verletzungsbedingt aufgeben. Das gesamte Stadion erhob sich zu Standing Ovations – großer Sportgeist aller Fans!
  • Dauerbrennerin Gernert: Melanie Gernert sicherte sich mit 39 Jahren an der Seite von Nele Barber Back-to-Back Bronze. Eine unfassbare Physis und Routine!
  • Silber für Lippmann/Paul: Nach wechselhaften Wochen spielten sie sich auf den Punkt fit bis ins Finale.
  • Kampfgeist: Beutel/Schürholz mussten früh in den Loserbaum, kämpften sich aber bravourös bis auf Platz 5 vor – trotz gesundheitlicher Rückschläge.

Die Männer-Konkurrenz: Der verdiente Lohn & freche Rookies

Lui Wüst in DM-Finale #3 mit Interimspartner Nils Ehlers erstmals zu Gold gespielt. Foto: Volleyballfreak
Lui Wüst in DM-Finale #3 mit Interimspartner Nils Ehlers erstmals zu Gold gespielt. Foto: Volleyballfreak
  • Goldschatz für Lui Wüst & Niels Ehlers: Nach zwei Vizemeisterschaften holte sich Lui Wüst verdient den DM-Titel. Seine Abwehraktionen und Lösungen im Angriff waren schlichtweg weltklasse.
  • Die Überraschungsteams: Absolute Publikumsfavoriten waren die Berliner Rookies Colin Paszkiewicz und Charlie Peter.  Bei ihrer ersten DM stürmten sie direkt auf Platz 4! Auch Filo Wüst und Jonathan Bungert überzeugten mit Platz 5. Das zeigt: Der deutsche Nachwuchs drückt mächtig von unten nach.
  • Podium komplett: Silber ging nach einer starken Turnierleistung an Lorenz/Rietschel, während sich die “Sagis”-Brüder über den Verliererbaum auf Platz 3 durchgrindeten.

Verabschiedung von Karla Borger am Freitag

Emotionaler Abschied von Karla Borger. Foto: Justus Stegemann
Emotionaler Abschied von Karla Borger. Foto: Justus Stegemann

Wie schon am Timmendorfer Strand wurde auch die große Bühne von Dortmund genutzt, um eine verdiente Beachvolleyballerin zum Karriereende zu verabschieden. Am Freitag stand Karla Borger im Mittelpunkt.

Nach 18 Jahren im Leistungssport beendet die 37-Jährige ihre Karriere. Seit 2008 absolvierte sie rund 250 Turniere und gewann 72 Medaillen. Zu ihren größten Erfolgen zählen WM-Silber 2013 mit Britta Büthe, der Sieg bei den World Tour Finals 2021 mit Julia Sude, zwei Deutsche Meisterschaften sowie die Olympiateilnahmen 2016 und 2021.

Auch abseits des Courts prägte Borger den Sport, unter anderem als Präsidentin von Athleten Deutschland. Dem Beachvolleyball möchte sie weiterhin verbunden bleiben und ihre Erfahrung an die nächste Generation weitergeben.

4. Taktische Beobachtungen: Was wir Amateure lernen können

Wer genau hinsah, konnte einige moderne Taktik-Trends auf dem Feld beobachten:

  1. Das “Swedish Jumpset” (Zuspiel im Sprung): Immer mehr Teams nutzen das gesprungene Zuspiel, um dem gegnerischen Block die Orientierung zu nehmen.
  2. Second-Touch-Offensive: Angriffe über den zweiten Ballkontakt – herausragend vorgeführt von Nils Ehlers oder Melanie Paul – setzten die Abwehrreihen enorm unter Druck. Der gegnerische Block hat kaum Zeit zu lesen.
  3. Schiedsrichter-Linie: Auffällig war die nach wie vor strittige Regelauslegung beim Zuspiel. Mehrfach wurden unsaubere Pässe als „gehoben“ abgepfiffen, was auf den Rängen für Diskussionen sorgte. Hier wünscht man sich eine klarere Linie.

5. Fazit & Tops/Flops

Der Umzug nach Dortmund war ein mutiger, aber absolut richtiger Schritt! Die Nostalgie und das Meeresrauschen aus Timmendorf fehlen zwar dem einen oder anderen, aber das moderne Festival-Konzept, die Infrastruktur und die Stimmung in der Arena heben die Deutsche Meisterschaft auf ein neues, professionelles Level.

Quick-Check: Tops & Flops 2026

Tops

Flops

Unfassbare Stimmung & volles Stadion im Finale

Phasenweise zu hohe Lautstärke der Boxen

Side Courts mit bester Sicht & Schattenplätzen

Hohe Gastro-Preise im Verhältnis zur Qualität

Vorbildliche Toiletten-Logistik & kein Stau

Ticket-Bändchen-Regelung (Verlust = Ticket weg)

Tolles Rahmenprogramm & Familien-Freibad

Wehmut nach dem Meeresblick

6. Zukunft des Events: Wie geht es ab 2029 weiter?

Mit dem Wechsel nach Dortmund haben die Organisatoren die finale Phase des Neustarts eingeläutet. Doch wie sieht die langfristige Perspektive aus?

Wir haben beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV) nachgehakt. Lea Becker (Referentin Presse beim DVV) stellte dazu auf unsere Anfrage hin klar:

„Der aktuelle Vertrag zur German Beach Tour läuft bis Ende 2028. Bis dahin ist auch vorgesehen, die Deutschen Meisterschaften in Dortmund auszutragen. Wie die German Beach Tour und die Deutschen Meisterschaften ab 2029 aussehen werden und wie die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern dann gestaltet wird, ist aktuell noch nicht entschieden. Entsprechend gibt es dazu derzeit auch noch keine konkreten Planungen oder Entscheidungen.“

Mein Fazit für die Zukunft:

Volleyballfreak Steffen
Volleyballfreak Steffen. Foto: privat

Bis mindestens 2028 ist Dortmund die feste Heimat der Beach-DM – und das ist gut so! Das Veranstaltungskonzept hat enormes Potenzial. Wenn die Veranstalter an den kleinen Stellschrauben (Sound-Pegel, Gastro-Qualität) drehen, sehe ich in Wischlingen in den kommenden Jahren locker Potenzial für 8.000 Zuschauer und eine noch größere Beach-Party.

Eure Meinung ist gefragt!

Warst du selbst im Revierpark Wischlingen dabei oder hast du den Livestream verfolgt? Vermisst du den Timmendorfer Strand oder bist du schon im „Team Dortmund“? Schreib uns deine Meinung direkt in die Kommentare!

Euer Volleyballfreak Steffen