Große Neuigkeiten wurden von der Sitzung des DVV-Lehrausschusses in der vergangenen Woche nicht erwartet. Doch gestern sickerten erste Inhalte durch: Schwierig dürfte es demnach für alle Teams und Vereine werden, die Übungsleiter ohne gültige Trainerlizenzen beschäftigen.

Der Ausschuss sprach sich einstimmig für eine verbindliche Einführung von Trainerscheinen für Übungsleiter in jeder Liga aus. Bis jetzt ist ein B-Trainerschein für Regionalliga- und Trainer der Dritten Liga Pflicht, für die 1. Und 2. Bundesliga muss es eine A-Lizenz sein.

Ab der Saison 2017-18 ist jetzt für alle Trainer von Jugendteams, Frauen und Herrenteams ab der untersten Liga ein C-Trainerschein für die Übungsleiter Pflicht. Einzige Ausnahmen sind hier noch die Mixed- und auch BFS-Teams aus dem Hobbybereich.

DVV-Chefausbilder Dr. Czimek (Quelle: volleyball-bundesliga.de; Foto: Martin Miseré)

DVV-Chefausbilder Jimmy Czimek hierzu: „Seit Jahren versuchen wir die freiwillige Qualifizierung von Übungsleitern auch in unteren Leistungsklassen voranzubringen – bis jetzt ohne nennenswerten Erfolg. Deshalb ist der Ausschuss einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass die Freiwilligkeit in diesem Punkt gescheitert ist. Wir freuen uns, in diesem Sommer viele neue, interessierte und motivierte Traineranwärter in unseren Ausbildungs-Lehrgängen begrüßen zu dürfen.“ Nach Absprache mit den Landesverbänden sollen alle Verbände die Zahl der Lehrgänge um bis zu 25% erhöhen. Anmeldungen können ab sofort auf den Seiten der Landesverbände vorgenommen werden.

Weiterer Hintergrund sei auch, dass in den oberen Ligen massiv Trainer fehlen. Durch die „Zwangs-Qualifizierung“ steigt der Kreis an Trainern, die in den kommenden Jahren eine weitere, nächste Lizenzstufe anstreben können. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Bundesligisten die trotz intensiver Suche keine qualifizierten Trainer finden konnten (SZ-online vom 3. Juni 2016).

Um den erwarteten Ansturm an Anmeldungen bewältigen zu können werden zudem qualifizierte Ausbilder gesucht. Interessenten melden sich bitte bei den jeweiligen Lehrwarten ihres Landesverbandes.

Malte Kanski, Ausbilder beim Sächsischer Sportverband Volleyball (SSVB) hierzu: „So ein Alleingang durch den DVV ist ein Skandal. Wir sind auch dafür, dass nicht Eltern oder sonst wer das Training oder Coaching übernimmt, aber dieser Schritt ist Gift für den Volleyball. Zudem wissen wir gar nicht, wie wir so plötzlich mehr Lehrgänge anbieten können. Unsere Ausbilder machen die Lehrgänge alle nebenberuflich für kleines Geld – teilweise nehmen sich die Ausbilder extra für die Lehrgänge frei.“

Pikant ist aber auch, dass in der gleichen Sitzung eine Erhöhung der Gebühr für die Teilnahme an C-Lehrgängen von 200 auf 275€ beschlossen wurde. Auf der Homepage des DVVs findet sich hierzu noch keine Veröffentlichung/ Stellungsnahme!

Der VolleyballFREAK meint: Das riecht für mich schon ein wenig nach Abzocke: Die Ausbildung zur Pflicht zu erklären – und im gleichen Atemzug mehr Geld verlangen. Ich hoffe jetzt zumindest, dass die Verbände wenigstens ausreichend Plätze für alle Trainer anbieten.

Zumal es Strafen geben soll, wenn Vereine sowohl bei Trainings als auch bei Spielen nicht nachweisen können, dass die Einheiten von qualifizierten Trainern durchgeführt wurden. Wie die Kontrollen hierfür ablaufen sollen, bleibt indes noch unklar. Hier seien laut DVV aber die Landesverbände gefordert. Auch wie hoch die Strafen seien sollen, ist noch nicht bekannt. Realistisch dürften aber bei Spielen 20€ je Spiel ohne qualifizierten Trainer sein.

Der VolleyballFREAK ist der Meinung, dass eine Qualifizierung und Professionalisierung des Volleyballs sicher positiv ist, aber der Schritt des DVVs ist schon drastisch – zumal keine Übergangsfrist geplant ist. Ob kleine Vereine Teams abmelden um sich Ausbildungs- und Strafkosten zu sparen, scheint wahrscheinlich zu sein. Da es in einigen Regionen bereits schon jetzt keine Kreis- und Bezirksligen mehr gibt, kann ein weiteres „Sterben“ des Fundaments nicht ausgeschlossen werden. Aus meiner Sicht hätte man früher den Dialog mit Vereinen und Verbänden suchen sollen. Sehr schade…

VolleyballFREAK-TIPP: Ob es genug Plätze für alle noch nicht-qualifizierten Übungsleiter geben wird, ist schwer zu sagen. Deshalb: Meldet Euch fix an.

VolleyballFREAK-TIPP: Hier könnt ihr die Anforderungen für die jeweiligen Lizenzstufen nachlesen.

Was denkt ihr zu der Neuerung des DVVs? Endlich wird Volleyball professioneller – oder doch ein Schritt in die falsche Richtung? Hinterlasst gerne einen Kommentar!

Update 2.4.2017: In den sozialen Medien wurde diese Professionalisierungsmaßnahme richtigerweise schnell als Aprilscherz erkannt. Trotz allem waren die Rückmeldungen zu diesem Thema sehr unterschiedlich. Viele von euch fanden die Grundidee super. Die Qualität des Trainings durch ausgebildete Trainer würde sicher in vielen Teams steigen. Auch könnte man davon ausgehen, dass die Probleme mit der Suche von qualifizierten A und B Trainern auch verringern würde, da ein viel größerer Grundstock an Trainern vorhanden sein wird. Es ist aber auch klar, dass eine solche Verpflichtung nicht ohne Übergangsfrist machbar. Hier sehe ich einen Rahmen von 3-5 Jahren durchaus als realistisch an. Die Ligen könnten stufenweise mit einer Lizenzstufe versehen werden. Im Schiedsrichterwesen funktioniert das Prinizip bereits.

In der Trainerausbildung müsste einiges an alten Strukturen bei den Verbänden aufgebrochen werden. Wie wäre es beispielsweise mit einem Onlinetrainerkurs, wie dem Volleyball TrainerMOOC für bestimmte Inhalte. Damit könnte man den Engpass an Ausbildern abmildern.

Mich würde es freuen, wenn dieser kleine Aprilscherz am Ende eine Diskussion bei den Verbänden, Trainern, Spielern und Funktionären erzeugt und am Ende eine Verbesserung zur Trainerproblematik in Deutschland beiträgt.

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