Trotz Corona waren die Olympischen Spiele in Tokio 2021 ein Fest für den Beachvolleyball. Aber was trennt die Medaillengewinner:innen eigentlich statistisch vom Rest des Feldes? Und was können wir „Normalsterblichen“ daraus für unser eigenes Training lernen?
Eine umfassende Studie mit dem Titel “Russian beach volleyball at the olympic games: results, problems, prospects” hat die Lupe angesetzt. Die Wissenschaftler V.V. Kostyukov, O.N. Kostyukova (beide von der Kuban State University of Education, Sport and Tourism, Krasnodar) sowie V.V. Nirka, D.E. Fedotov und I.N. Karlitsky (vom russischen Volleyballverband VFV) haben die Top-16-Teams der Männer und Frauen im Detail analysiert.
Die harten Fakten: 5 zentrale Kennzahlen der Weltelite

Der Block spielt sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine wichtige Rolle. Foto: Volleyballfreak
Die Studie liefert uns Durchschnittswerte (Group Average Values), die als „Orientierungshilfe“ für die absolute Weltspitze dienen. Hier sind die wichtigsten Zahlen pro Spieler:in und Turnier:
- 7,3 vs. 7,1 Punkte: Im Durchschnitt erzielt ein männlicher Spieler 7,3 Punkte pro Satz, während es bei den Frauen 7,1 Punkte sind. Wer diese Quote stabil hält, gehört zu den Top 16 der Welt.
- 66,8 Angriffsschläge: Das ist der Durchschnittswert an gewonnenen Angriffspunkten pro Turnier bei den Männern. Spitzenreiter wie Vyacheslav Krasilnikov kamen sogar auf 110.
- 8,9 vs. 8,6 Blocks: Interessanterweise liegen die Blockwerte bei Männern und Frauen fast gleichauf (8,9 zu 8,6 gewonnene Blocks pro Turnier).
- 4,4 vs. 7,5 Aufschlagpunkte: Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Die Top-Frauen erzielen fast doppelt so viele direkte Punkte durch den Aufschlag (7,5) wie die Männer (4,4) – ein Zeichen für die enorme Bedeutung des Services im taktischen Frauen-Beach-Volleyball.
- 144 Punkte: Das ist der absolute Spitzenwert des Turniers, aufgestellt vom norwegischen Goldjungen Anders Mol (Block, Angriff und Aufschlag kombiniert).
Was die Studie für dein Spiel bedeutet
Vielleicht denkst du: „Was interessieren mich die Stats von Anders Mol, wenn ich am Wochenende nur ein C-Turnier spiele?“ Die Antwort ist simpel: Benchmarking. Die Studie zeigt uns, wie die Qualität der Spielaktionen verteilt ist.
„The ranked values of the performance of players in performing offensive strikes, blocking and serves […] make it possible to identify their average group values, which are conditional guidelines.“
Ein entscheidender Punkt der Forscher:innen ist die Ausgeglichenheit innerhalb eines Teams. Ein Top-Team funktioniert nur, wenn beide Partner:innen auf einem ähnlichen Niveau agieren.
„Reduce the identified intra-team difference in the quality of competitive actions from 18-20 to 5-7 rating units.“
Für uns bedeutet das: Wenn du und dein:e Partner:in zu weit auseinanderklafft (leistungstechnisch), werdet ihr gegen taktisch kluge Gegner:innen immer den Kürzeren ziehen, da diese gezielt die „schwächere“ Person unter Druck setzen.
Relevanz für Volleyballer:innen jeglichen Niveaus

Mach es wie Clemens Wickler: Volle Konzentration beim Aufschlag. Foto: Volleyballfreak
Die Studie macht deutlich, dass Erfolg bei Olympia kein Zufall ist, sondern auf der Präzision in drei Elementen beruht: Angriff, Block und Aufschlag.
„Players who performed the functions of blocking defenders in their teams did not perform blocking or blocked extremely rarely 1-2 times in all games.“
Das zeigt uns: Spezialisierung ist Trumpf. Im Profibereich gibt es kaum noch „Allrounder“. Wer blockt, konzentriert sich voll darauf. Wer abwehrt, lässt den Block oft komplett weg. Für dein Training heißt das: Such dir eine feste Rolle (Blocker:in oder Abwehrspieler:in) und versuche, in diesem Bereich deine „Rating Units“ zu maximieren.
Grundsätze für dein eigenes Training
Was kannst du konkret tun, um dein Spiel auf das nächste Level zu heben? Die russischen Forscher:innen geben uns indirekt drei Trainingstipps mit:
- Schließ die interne Lücke: Arbeite gezielt an den Schwächen des „schwächeren“ Teammitglieds. Ein Team ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Ziel sollte sein, die Leistungsdifferenz im Team so gering wie möglich zu halten.
- Qualität vor Quantität: Es geht nicht darum, wie oft du schlägst, sondern wie effektiv. Die Top-20 der Welt zeichnen sich durch eine extrem geringe Fehlerquote bei gleichzeitig hohem Druck aus.
- Aufschlag-Fokus (besonders für Frauen): Wenn du im Frauen-Bereich spielst, investiere massiv Zeit in deinen Aufschlag. Die Statistik zeigt, dass hier der größte Hebel liegt, um Spiele direkt zu beeinflussen.
„Pay increased attention to improving the quality of performance of those competitive actions for which performance has been identified that is inferior to the rating of the top-20 players.“
Fazit: Miss dich an den Besten
Du musst keine 110 Angriffspunkte pro Turnier machen. Aber du kannst anfangen, deine eigenen Stats zu tracken. Wie viele Punkte machst du pro Satz? Wie groß ist die Lücke zwischen dir und deinem/deiner Partner:in? Wer die Zahlen kennt, kann sein Training gezielt steuern.
Quelle
Kostyukov, V. V., Nirka, V. V., Fedotov, D. E., Karlitsky, I. N., & Kostyukova, O. N. (2023). Russian beach volleyball at the olympic games: results, problems, prospects. Theory and Practice of Physical Culture, (11), 3-6.
Link zum Artikel (OpenAccess): http://tpfk.ru/index.php/TPPC/article/view/739






