Ein Gastbeitrag von Waldemar „Woldo“ Kröker

Volleyballfreak-Camp-Trainer Waldemar "Woldo" Kröker. Foto: (c) Mikura Gelhausen @mikura.fotografie

Volleyballfreak-Camp-Trainer Waldemar “Woldo” Kröker. Foto: (c) Mikura Gelhausen @mikura.fotografie

Hallo zusammen! Ich bin Waldemar „Woldo“ Kröker und darf heute einen Gastartikel für euch verfassen (lest hier meinen letzten Artikel). Als Trainer in der Jugendausbildung mache ich mir natürlich viele Gedanken über die aktuellen Volleyball-Techniken – und vor allem darüber, wie ich sie meinen Nachwuchsspieler:innen am besten vermittle.

Das Schulterproblem: Wenn der Schlag wehtut

Welche:r Volleyballer:in kennt das nicht? „Meine Schulter schmerzt mal wieder.“ Meistens liegt das Problem in der Rotatorenmanschette. Diese wird gerade beim Aufschlag und beim Angriffsschlag extrem belastet. Deshalb habe ich mir eine entscheidende Frage gestellt: Wie sieht eigentlich die optimale Technik beim Ausschwingen des Arms aus, und wie lässt sich der Angriffsschlag möglichst schulterschonend ausführen?

Das direkte Abstoppen der Armbewegung unmittelbar nach dem Treffpunkt des Balles ist absolutes Gift für das Gelenk – das sollten wir im Training unbedingt vermeiden. Bei meinen Beobachtungen sind mir vor allem zwei unterschiedliche Bewegungsabläufe beim Ausschwingen aufgefallen:

  • Variante 1:Der Arm schwingt gerade und seitlich am eigenen Körper vorbei.
  • Variante 2:Der Arm zieht diagonal am Körper vorbei in Richtung der gegenüberliegenden Hüfte.

Doch welche Variante ist die bessere?

Auf Spurensuche in den Profiligen und der Literatur

Um das herauszufinden, habe ich mir unzählige Spiele der 1. und 2. Bundesliga der Damen und Herren angeschaut und viele Gespräche mit Kolleg:innen aus dem Trainerbereich geführt. Das Ergebnis? Es gibt extrem viele unterschiedliche Meinungen dazu – ein klares „Richtig oder Falsch“ sucht man vergebens. Auch in den Bundesligen konnte ich, egal ob im Damen- oder Herrenbereich, keine eindeutige Tendenz für die eine oder andere Variante ausmachen.

Eine ausführliche Internetrecherche brachte mich ebenfalls nicht wirklich weiter. Meistens wird darin nur die eigentliche Schlagbewegung beschrieben. Auf den typischen Bildreihen sieht man den Arm zwar häufig wie bei Variante 1 am Körper vorbeigleiten, doch im Text wird das Ende der Bewegung – also wo der Arm letztlich stoppen soll – praktisch nie thematisiert.

Also habe ich die Fachliteratur gewälzt. Im Standardwerk Volleyball Training & Coaching von Jimmy Czimek wird die Bildreihe des Schlags (Seiten 125–127) zwar ähnlich wie Variante 1 dargestellt. In der Textbeschreibung heißt es dann jedoch, der Arm solle „in Richtung des Schlags“ durchschwingen. Eine feste Definition für Variante 1 oder Variante 2 gibt es also auch hier nicht. Andere Lehrbücher beschreiben es ähnlich vage oder deckungsgleich.

Worauf es wirklich ankommt: Prävention und Vorbereitung

In einigen Punkten waren sich glücklicherweise alle Trainer:innen einig: Unsere Sportler:innen müssen eine starke Schultermuskulatur aufbauen, um Verletzungen und Schmerzen effektiv vorzubeugen. Genauso wichtig ist es, beide Schultern vor jedem Training und jedem Match gründlich zu mobilisieren und aufzuwärmen.

Das lässt sich hervorragend mit Loops und elastischen Bändern (Tubes) umsetzen. Das Beste daran: Diese Übungen können die Spieler:innen schon vor dem eigentlichen Trainingsstart absolvieren, ohne dass wertvolle Hallenzeit verloren geht. Auch das anschließende Einwerfen sollte niemals zu kurz kommen, um die Schulter optimal auf die hohen Belastungen vorzubereiten.

Mein persönliches Fazit

Wenn wir unsere Schultern durch gezielten Muskelaufbau stärken und technisch die saubere Schlagschleife einhalten, können wir unseren geliebten Sport sehr lange schmerzfrei ausüben. Besonders im Balltraining sollten wir darauf achten, die Intensität nicht blind nach oben zu schrauben – weniger ist manchmal einfach mehr!

Die genaue Richtung des Arms nach dem Schlag ist dabei gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist, dass es eine flüssige, natürliche Bewegung bleibt. Bei Variante 2 sehe ich persönlich sogar eine kleine Gefahr: Wenn wir den Arm standardmäßig zur gegenüberliegenden Hüfte ziehen, fixieren wir uns oft unbewusst auf eine einzige Angriffsrichtung. Dadurch wird es extrem schwer, harte Bälle in die Diagonale zu schlagen (zum Beispiel als Rechtshänder:in auf der Position IV). Denn wenn der Arm danach trotzdem zwingend zum linken Becken wandern soll, führt das zu einer völlig unnatürlichen Ausweichbewegung.

Und genau in solchen erzwungenen, unnatürlichen Bewegungsabläufen sehe ich das größte Verletzungsrisiko. Ein Blick in andere Sportarten wie Handball, Baseball oder auf den Quarterback im American Football zeigt: Dort gibt es ganz ähnliche Schulterbelastungen und bei unsauberer Technik auch exakt dieselben Verletzungsmuster.

Wie seht ihr das? Welche Erfahrungen habt ihr im Training oder am eigenen Leib gemacht? Ich freue mich auf eure Meinungen und eine spannende Diskussion in den Kommentaren!