In Teil 1 unserer Mini-Serie hat euch Gastautor Michael Bernhardt gezeigt, wie aus einer Idee bei unserem Volleyballfreak-Camp in Köln-Holweide ein 16-teiliges interaktives Athletik-Workbook für den Sommerurlaub wurde – inklusive schweißtreibendem Selbsttest zwischen Campingplatztreppen und SUP-Boards.

Volleyballfreak-Gastautor Michael Bernhardt. Foto: Michael Bernhardt

Volleyballfreak-Gastautor Michael Bernhardt. Foto: Michael Bernhardt

Doch die spannendste Frage für jeden Coach und jede Spielerin lautet: Zahlt sich die Schinderei in den Ferien aus, wenn die neue Saison startet?

Im zweiten Teil berichtet Michael ehrlich über Eiscreme im Urlaub, den berüchtigten „Mitvierziger-Rücken“, spürbare Netzhöhen-Überraschungen bei seinen Jugendspielerinnen und wie es mit der Challenge jetzt weitergeht.

💡 Auch für eure eigene Saisonplanung: Michaels Erfahrungen und Ergebnisse liefern wertvolle Denkanstöße für alle Trainerinnen und Trainer. Nutzt die Erkenntnisse als Motivation, um eigene Team-Challenges vorzubereiten – perfekt geeignet, um den Trainingsstopp in der kommenden Weihnachtspause zu überbrücken oder schon jetzt die nächste Ferienphase im neuen Jahr anzupacken! Viel Spaß beim Weiterlesen!

Urlaub blieb trotzdem Urlaub

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe während dieser Wochen nicht plötzlich wie ein Hochleistungssportler gelebt. Ich war im Urlaub. Es gab gutes Essen. Es gab Eis. Und sicherlich auch den einen oder anderen Tag, an dem eine vollständige ernährungswissenschaftliche Dokumentation wenig vorbildlich ausgefallen wäre. Ich habe weder permanent Kalorien gezählt noch meine gesamte Reise dem Training untergeordnet.

Urlaub mit Spaß und Sport. Foto: Michael Bernhardt

Urlaub mit Spaß und Sport. Foto: Michael Bernhardt

Und trotzdem merkte ich im Verlauf der Wochen deutlich, dass sich körperlich etwas veränderte. Beim ersten Volleyballtraining nach dem Urlaub fiel mir insbesondere meine verbesserte Sprungkraft auf. Für einen fast Mitvierziger ist das durchaus eine angenehme Feststellung. Auch meine gesamte körperliche Verfassung hatte sich spürbar verbessert. Der sonst so geplagte Rücken hielt trotz insgesamt 4500 km Fahrstrecke erstaunlich gut durch.

Und bei den Mädchen?

Von meinen eigenen Spielerinnen hat ungefähr die Hälfte an der Ferien-Challenge teilgenommen. Nicht jede hat jede Einheit vollständig absolviert. Das war auch nie die Erwartung. Trotzdem wurden nach den Ferien einige Entwicklungen ziemlich deutlich. Natürlich war das keine wissenschaftliche Untersuchung. Es gab weder eine Kontrollgruppe noch standardisierte Leistungstests vor und nach der Challenge. Auch die sportliche Entwicklung einer Mannschaft lässt sich nicht einfach auf vier Wochen Athletiktraining reduzieren.

Als Trainer sieht man bestimmte Veränderungen aber trotzdem. Besonders auffällig war für mich die Sprunghöhe bei einzelnen Spielerinnen. Bei Blockübungen kamen Mädchen, die vorher noch deutlich weniger über der Netzkante zu sehen waren, plötzlich vollständig darüber.

Eine Reaktion war sinngemäß genau das, was man sich als Trainer erhofft:

„Krass, ich komme jetzt wirklich drüber.“

Auch Planks werden länger gehalten, Bewegungen wirken stabiler und gerade bei schnelleren Übungen bleibt die Körperkontrolle besser erhalten. Bei Angriffen merken einige selbst, dass Sprung und Schlag plötzlich besser zusammenpassen. Gerade in den Bereichen Sprungkraft, Kraftschnelligkeit und Core-Stabilität, die wir gezielt trainieren wollten, waren Fortschritte sichtbar.

Und besonders erfreulich war der Wiedereinstieg bei den Mädchen, die noch nicht so lange Volleyball spielen. Sie fanden nach den Ferien erstaunlich schnell zurück in die Halle. Unsere zweite Mannschaft startete anschließend sogar mit zwei Siegen in die neue Saison. Natürlich gewinnt eine Ferien-Challenge keine Volleyballspiele. Der Zusammenhang ist also kein wissenschaftlicher Beweis und soll auch keiner sein.

Trotzdem freut mich dieser Start besonders: Im vergangenen Jahr haben wir mit dieser Mannschaft noch viele Spiele verloren. Damals trat sie noch als wU18 an, inzwischen spielt sie in der wU20 – also grundsätzlich gegen ältere beziehungsweise körperlich weiterentwickelte Konkurrenz. Umso schöner war es zu sehen, dass die Mannschaft gut vorbereitet in diese neue Aufgabe gestartet ist.

Nicht jede Woche braucht eine neue Zauberübung

Auch ich habe aus dieser ersten Challenge einiges gelernt. In der nächsten Version möchte ich an einigen Stellen etwas mehr Variation einbauen. Aber bewusst nicht überall. Denn während der Ferien wurde noch einmal sehr deutlich: Abwechslung ist kein Selbstzweck.

Gerade technisch anspruchsvollere Übungen brauchen Wiederholungen. Beim ersten Versuch läuft eine Bewegung vielleicht noch holprig. Man unterbricht, korrigiert die Position und beginnt erneut. Einige Einheiten später sieht das schon anders aus. Die Bewegung sitzt, die Stabilität wird besser. Man muss weniger über den Ablauf nachdenken und kann sich stärker auf Belastung, Kraft, Geschwindigkeit oder Ausdauer konzentrieren.

Deshalb soll die nächste Version keine Sammlung von möglichst vielen spektakulären Übungen werden. Einige Grundbewegungen werden bewusst wiederkehren. Mehr Abwechslung: ja. Aber nicht auf Kosten des Trainingseffekts. Manchmal muss Kreativität eben ein Stück hinter Zweckmäßigkeit zurücktreten.

Nach den Ferien ist nicht Schluss

Für mich hat sich das Konzept deutlich bewährt. Deshalb soll aus der ursprünglichen Ferienaktion nun ein längerfristiges System entstehen. Gerade als vergleichsweise kleiner Verein können wir unseren Jugendlichen nicht beliebig viele Hallenzeiten anbieten. Wer seine körperlichen Fähigkeiten weiterentwickeln möchte, muss deshalb auch lernen, einen Teil davon eigenständig zu übernehmen. Dafür möchte ich meinen Spielerinnen künftig regelmäßig freiwillige Trainingsprogramme zur Verfügung stellen, die sich sinnvoll an der Saison orientieren.

Der aktuelle Plan: Bis Ende des Jahres soll ein Programm die erste Saisonhälfte begleiten. Danach folgt eine weitere Phase bis zum Saisonende. Im Übergang zum Sommer werden die Inhalte stärker in Richtung Beachvolleyball angepasst – schließlich verbringen wir dann selbst viel Zeit im Sand. Und dann steht vermutlich schneller als gedacht schon wieder die nächste „Ferien-Challenge 2027“. Das System muss dafür nicht jedes Mal komplett neu erfunden werden. Es soll sich Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Wenn jemand erfolgreich trainiert, hat es funktioniert

Ob jemand das Ganze öffentlich als Challenge nutzt, Punkte vergleicht und seine Trainingseinheiten bei Instagram teilt oder still für sich allein trainiert, spielt für mich letztlich keine Rolle.

Entscheidend sind zwei Fragen:

  1. Wird tatsächlich regelmäßig trainiert?
  2. Entsteht daraus ein Fortschritt?

Wenn einige meiner Spielerinnen dadurch kräftiger, stabiler oder sprungstärker werden, hat das Projekt seinen Zweck erfüllt. Für mich persönlich hat es funktioniert. Für meine Spielerinnen ebenfalls. Und Eddie und ich konnten zusätzlich großartige gemeinsame Urlaubserinnerungen sammeln.

Der größte Gegner stand bei der Ferien-Challenge ohnehin nie auf der anderen Seite des Netzes.

Er sitzt während der Ferien irgendwo gemütlich in Deinem Kopf herum und sagt: „Morgen reicht doch auch.“

Wenn 16 Trainingseinheiten dabei helfen, diesen Gegner gelegentlich zu besiegen, hat sich der Aufwand gelohnt.

Wer es selbst ausprobieren möchte, hat weiterhin die Gelegenheit dazu. Die Ferien-Challenge soll deshalb nicht nur in meinen alten Instagram-Stories weiterleben. Sie steht auf www.trainerblick.com im Bereich Training zum Download bereit. Und dort soll nach und nach noch mehr entstehen.

TRAINERBLICK entwickelt sich aktuell zu einer Sammlung praktischer Werkzeuge rund um Volleyballtraining, Coaching und Regelkunde. Aktuell entstehen unter anderem ein Taktikplaner für Trainerinnen und Trainer, ein separates digitales Taktikboard, eine Orga-Seite zur Unterstützung bei Training und Turnieren sowie ein größerer Lernbereich für Spielerinnen und Spieler und insbesondere für angehende Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.

Im Grunde steckt dieselbe Idee wie bei der Ferien-Challenge dahinter: Es muss nicht kompliziert sein, es muss praktisch funktionieren. Und wenn dadurch jemand sein Training besser organisiert, eine Regel schneller versteht oder am Ende ein paar Zentimeter höher springt, ist schon ziemlich viel erreicht.

Euer Michael Bernhardt

Über den Gastautor

Michael Bernhardt (Jg. 1983) ist C-Volleyballtrainer, C-A Hallenvolleyball-Schiedsrichter, Trainer von zwei weiblichen Jugendteams in NRW und – wenn es seine Zeit zulässt – regelmäßig als Coach bei den Volleyballfreak-Camps auf dem Feld. Auf seiner Plattform www.trainerblick.com bündelt er praxisnahe Tools und Konzepte für Trainerinnen, Trainer und Teams.