Du hast eine Jugendmannschaft übernommen oder sollst eine neue Volleyballgruppe im Verein aufbauen?

Dann erstmal: stark, dass du diese Aufgabe übernimmst.

Gerade im Kinder- und Jugendbereich sind engagierte Trainerinnen und Trainer unglaublich wichtig. Viele starten nicht mit jahrelanger Trainererfahrung, sondern weil im Verein jemand gebraucht wird, weil das eigene Kind Volleyball spielt oder weil man selbst Lust hat, etwas zurückzugeben.

Die gute Nachricht: Du musst nicht vom ersten Tag an alles perfekt können.

Wichtig ist, dass du dir einen klaren Überblick verschaffst, deine Gruppe kennenlernst und dein Training Schritt für Schritt entwickelst. Dieser Artikel hilft dir beim Einstieg.

1. Verschaffe dir zuerst einen Überblick

Bevor du deine erste Trainingseinheit planst, solltest du nicht direkt nach Übungen suchen.

Viel wichtiger ist zuerst die Frage:

Mit welcher Gruppe arbeite ich überhaupt?

Denn eine U12-Anfängergruppe braucht etwas völlig anderes als eine U16-Mannschaft, die schon im Spielbetrieb aktiv ist. Eine breitensportliche Jugendgruppe hat andere Bedürfnisse als ein Team, das Meisterschaften spielen möchte.

Kläre deshalb am Anfang ein paar grundlegende Punkte:

Je besser du diese Fragen beantworten kannst, desto leichter wird deine Trainingsplanung.

2. Lerne deine Gruppe kennen

Deine erste Aufgabe ist nicht, sofort ein perfektes Training abzuliefern.

Deine erste Aufgabe ist: beobachten.

Schau dir an, wie die Gruppe funktioniert.

Wer übernimmt Verantwortung?
Wer ist eher zurückhaltend?
Wer ist sehr ehrgeizig?
Wer kommt vor allem wegen der Freunde?
Wer braucht viel Sicherheit?
Wer testet Grenzen aus?

Gerade im Jugendtraining trainierst du nicht nur Volleyballtechniken. Du arbeitest mit jungen Menschen, die sich entwickeln, ausprobieren, vergleichen, scheitern, wachsen und ihren Platz in der Gruppe finden.

Deshalb solltest du am Anfang nicht nur auf Technik achten, sondern auch auf die Dynamik der Mannschaft.

Ein guter Einstieg kann eine kurze Gesprächsrunde sein:

„Was macht euch am Volleyball am meisten Spaß?“
„Was wollt ihr diese Saison lernen?“
„Was wünscht ihr euch vom Training?“
„Was soll in unserer Mannschaft wichtig sein?“

Bei jüngeren Kindern kannst du das spielerischer machen. Bei älteren Jugendlichen darf es ruhig etwas direkter sein.

Wichtig ist: Die Spielerinnen und Spieler sollen merken, dass du sie ernst nimmst.

3. Kläre dein Ziel als Trainer

Bevor du die Ziele der Mannschaft klärst, solltest du deine eigene Haltung kennen.

Frag dich:

Was möchte ich mit dieser Mannschaft erreichen?

Geht es darum, Kindern den Einstieg in den Volleyball zu ermöglichen?

Geht es darum, eine stabile Jugendgruppe im Verein aufzubauen?

Geht es darum, eine Mannschaft auf den Spielbetrieb vorzubereiten?

Geht es um Leistung, Meisterschaften und individuelle Förderung?

Oder geht es erstmal darum, dass die Kinder regelmäßig kommen, Spaß haben und lernen, gemeinsam zu spielen?

Es gibt nicht die eine richtige Antwort.

Aber es ist wichtig, dass du dir darüber bewusst bist. Denn deine Zielsetzung beeinflusst dein Training, deine Kommunikation, deine Spielzeitverteilung und deine Erwartungen an die Gruppe.

Ein leistungssportlicher Ansatz braucht andere Verbindlichkeit als ein offenes Breitensportangebot.

Beides ist wertvoll. Schwierig wird es nur, wenn Ziel und Realität nicht zusammenpassen.

4. Kläre die Ziele der Spielerinnen und Spieler

Auch deine Mannschaft hat eigene Ziele.

Manche wollen unbedingt besser werden.
Manche wollen endlich aufschlagen können.
Manche wollen spielen und gewinnen.
Manche wollen vor allem mit Freunden zusammen sein.
Manche wissen noch gar nicht, was sie wollen.

Gerade deshalb lohnt es sich, die Spielerinnen und Spieler einzubeziehen.

Bei älteren Jugendlichen kannst du am Saisonanfang kleine Zielgespräche führen oder einen einfachen Fragebogen nutzen.

Mögliche Fragen:

Bei jüngeren Kindern reicht oft eine einfache Runde:

„Was möchtest du im Volleyball unbedingt lernen?“

Diese Antworten helfen dir enorm. Du verstehst besser, was die Kinder antreibt, und kannst dein Training näher an der Gruppe ausrichten.

5. Sprich mit dem Verein

Eine Jugendmannschaft steht nie für sich allein. Sie ist Teil eines Vereins.

Deshalb solltest du früh mit der Abteilungsleitung oder Jugendkoordination sprechen.

Kläre dabei:

Gerade neue Trainerinnen und Trainer übernehmen oft viel zu viel allein. Das muss nicht sein.

Frag aktiv nach Unterstützung. Jugendtraining ist nicht nur Training in der Halle. Es geht auch um Organisation, Kommunikation, Spieltage, Fahrten, Eltern, Material und manchmal Konflikte.

Je klarer die Zuständigkeiten sind, desto entspannter wird dein Alltag.

6. Prüfe Trainingszeit, Halle und Material

Bevor du Inhalte planst, musst du wissen, welche Rahmenbedingungen du hast.

Eine Gruppe mit 16 Kindern in einer Einfachhalle braucht eine andere Organisation als 10 Jugendliche auf zwei Feldern.

Prüfe deshalb:

Der wichtigste Grundsatz lautet:

Plane so, dass möglichst viele Kinder gleichzeitig aktiv sind.

Lange Warteschlangen sind im Jugendtraining Gift. Kinder brauchen Ballkontakte, Bewegung und Erfolgserlebnisse.

Wenn du wenig Platz hast, nutze Kleinfelder, Stationen, Wandübungen, Partneraufgaben oder ein Langnetz. Gerade Anfänger brauchen nicht sofort das große Spielfeld. Sie brauchen viele sinnvolle Wiederholungen.

7. Schätze das Spielniveau realistisch ein

Viele Trainer machen am Anfang den Fehler, ihr Training zu schwer zu planen.

Deshalb solltest du zuerst herausfinden, was die Gruppe wirklich kann.

Beobachte in den ersten Einheiten:

Wichtig: Bewerte nicht nur die Technik, sondern auch die Spielfähigkeit.

Ein Kind kann vielleicht technisch noch unsauber baggern, aber schon gut erkennen, wohin der Ball kommt. Ein anderes Kind hat eine schöne Technik, weiß aber im Spiel nicht, wo es stehen soll.

Beides gehört zur Einschätzung dazu.

Dein Ziel ist nicht, die Gruppe sofort zu bewerten. Dein Ziel ist, die nächsten sinnvollen Schritte zu erkennen.

8. Starte einfach

Deine erste Trainingseinheit muss nicht spektakulär sein.

Sie sollte klar, aktiv und gut organisierbar sein.

Ein einfacher Aufbau könnte so aussehen:

Einstieg

Kurzes Ankommen, Begrüßung, Überblick über das Training.

Aufwärmen

Ein kleines Lauf- oder Fangspiel, gerne mit Ball.

Koordination und Ballgewöhnung

Einfache Aufgaben mit Ball: werfen, fangen, prellen, rollen, jonglieren, Partneraufgaben.

Technikschwerpunkt

Zum Beispiel Pritschen, Baggern oder Aufschlag. Wähle nur einen Schwerpunkt.

Spielform

Kleinfeldspiel, zum Beispiel 1 gegen 1, 2 gegen 2 oder 3 gegen 3.

Abschluss

Kurzes freies Spiel oder eine Challenge.

Reflexion

Eine kurze Frage am Ende:

„Was hat heute gut geklappt?“
„Was nehmen wir uns fürs nächste Training vor?“

Gerade am Anfang gilt:

Lieber einfach und gut als kreativ und chaotisch.

Noch mehr in die Tiefe geht es mit diesem Video von Josef Wolf in der Masterclass: Strukturierte erste Trainingsübungen- eine praktische Planungshilfe

9. Nutze Kleinfeldspiele so früh wie möglich

Viele denken beim Volleyball direkt an 6 gegen 6.

Im Jugendtraining ist das aber oft zu früh.

Kleinfeldspiele sind für Kinder und Jugendliche extrem wertvoll, weil sie mehr Ballkontakte bekommen, mehr Entscheidungen treffen und mehr Verantwortung übernehmen.

Statt 6 gegen 6 kannst du starten mit:

Gerade bei Anfängergruppen darf am Anfang auch gefangen und geworfen werden.

Beispiel:

Der erste Ball darf gefangen werden.
Der zweite Ball wird angeworfen.
Der dritte Ball wird über das Netz gespielt.

So verstehen Kinder die Spielidee, ohne sofort an der Technik zu scheitern.

Nach und nach kannst du die Regeln volleyballnäher machen.

Ideen für Kleinfeldspiele gibt es hier in Videoform mit Weltmeistertrainer Vital Heynen aus der Masterclass oder als Ebook “Handlungsschnelligkeit im Minivolley von Landestrainer Sebastian Reinhardt” mit 40 Übungen

10. Gib wenig, aber klares Feedback

Ein häufiger Fehler im Jugendtraining ist zu viel Coaching.

Kinder und Jugendliche können nicht zehn Korrekturen gleichzeitig verarbeiten.

Deshalb gilt:

Eine Aktion. Eine Korrektur. Eine neue Chance.

Sag nicht:

„Du musst tiefer stehen, die Arme strecken, früher laufen, besser zum Ball kommen und mehr aus den Beinen arbeiten.“

Besser:

„Streck beim nächsten Ball deine Arme früher.“

Oder:

„Spiel den Ball vor deinem Körper.“

Oder:

„Mach zuerst einen Schritt zum Ball.“

Gute Korrektur ist konkret, kurz und umsetzbar.

Außerdem solltest du immer wieder positive Rückmeldungen geben. Nicht künstlich, sondern ehrlich.

Zum Beispiel:

„Deine Bewegung zum Ball war gut. Beim nächsten Ball achtest du noch mehr auf deine Plattform.“

So bleibt die Motivation erhalten und die Spieler wissen trotzdem, was sie verbessern sollen.

11. Sprich früh mit den Eltern

Im Jugendbereich gehören Eltern dazu.

Sie bringen Kinder zum Training, fahren zu Spieltagen, kaufen Ausrüstung, organisieren Kuchen, trösten nach Niederlagen und haben eigene Erwartungen.

Deshalb solltest du Elternkommunikation nicht dem Zufall überlassen.

Kläre früh:

Gerade bei jüngeren Kindern ist ein kurzer Elternabend oder eine Info-Mail zu Saisonbeginn sehr sinnvoll.

Du musst nicht alles basisdemokratisch diskutieren. Aber du solltest transparent sein.

Eltern müssen verstehen, was du tust und warum du es tust.

12. Erstelle eine einfache Checkliste für dich

Am Anfang hilft eine klare Liste enorm.

Checkliste: Ich übernehme eine Jugendmannschaft

Gruppe kennenlernen

  • Wie viele Spielerinnen und Spieler sind in der Gruppe?
  • Wie alt sind sie?
  • Wie lange spielen sie schon Volleyball?
  • Wer kommt regelmäßig?
  • Gibt es große Leistungsunterschiede?
  • Gibt es besondere Themen in der Gruppe?
  • Wer übernimmt Verantwortung?
  • Wer braucht besondere Unterstützung?

Ziele klären

  • Was ist mein Ziel als Trainer?
  • Was ist das Ziel der Spielerinnen und Spieler?
  • Was erwartet der Verein?
  • Was erwarten die Eltern?
  • Breitensport oder Leistungssport?
  • Spielbetrieb ja oder nein?
  • Was soll am Ende der Saison besser sein?

Trainingszeit und Halle prüfen

  • Wie oft trainieren wir?
  • Wie lange dauert eine Einheit?
  • Welche Halle steht zur Verfügung?
  • Wie viele Felder kann ich nutzen?
  • Gibt es ein Langnetz oder Reivo-Band?
  • Kann ich Stationen aufbauen?
  • Gibt es genug Platz für Kleinfeldspiele?

Material prüfen

  • Wie viele Bälle gibt es?
  • Sind die Bälle für das Alter geeignet?
  • Gibt es Hütchen, Reifen, Matten, Bänke?
  • Gibt es Leibchen?
  • Gibt es Ballwagen?
  • Gibt es Material für Koordination und Athletik?
  • Was muss nachbestellt werden?

Elternkontakt organisieren

  • Wer sind die Ansprechpartner der Eltern?
  • Welche Kommunikationswege nutzen wir?
  • Gibt es eine WhatsApp-Gruppe, App oder E-Mail-Liste?
  • Wie werden Absagen geregelt?
  • Wer organisiert Fahrten?
  • Welche Infos brauchen Eltern vor dem ersten Spieltag?

Spielniveau einschätzen

  • Können die Spieler pritschen?
  • Können sie baggern?
  • Können sie aufschlagen?
  • Können sie den Ball über das Netz spielen?
  • Können sie drei Kontakte miteinander spielen?
  • Können sie einfache Spielsituationen lösen?
  • Können sie kommunizieren?
  • Können sie Regeln einhalten?

Erstes Training planen

  • Gibt es einen klaren Schwerpunkt?
  • Sind alle Kinder viel in Bewegung?
  • Gibt es genug Ballkontakte?
  • Gibt es eine einfache Spielform?
  • Gibt es eine kurze Reflexion am Ende?
  • Habe ich eine leichtere Variante vorbereitet?
  • Habe ich eine schwerere Variante vorbereitet?

13. Was du am Anfang vermeiden solltest

Gerade neue Jugendtrainer wollen oft alles besonders gut machen. Das ist verständlich.

Trotzdem solltest du ein paar Dinge vermeiden:

Zu lange erklären

Kinder lernen Volleyball vor allem durchs Tun. Erkläre kurz und lass sie schnell ausprobieren.

Zu früh 6 gegen 6 spielen

Großfeld sieht nach richtigem Volleyball aus, bringt Anfänger aber oft kaum weiter. Kleinfeld ist meistens besser.

Zu viele Technikdetails gleichzeitig korrigieren

Wähle einen Fokus. Sonst überforderst du deine Spieler.

Zu wenig Ballkontakte ermöglichen

Wenn Kinder lange warten, sinken Konzentration, Motivation und Lernfortschritt.

Zu früh spezialisieren

Gerade junge Spieler sollten viele Positionen und Situationen kennenlernen.

Elternkommunikation unterschätzen

Unklare Kommunikation führt schnell zu Missverständnissen.

Nur Übungen sammeln

Übungen sind gut. Aber noch wichtiger ist, dass du verstehst, warum du sie einsetzt.

14. Entwickle dich Schritt für Schritt weiter

Du musst nicht sofort alles können.

Aber du solltest bereit sein zu lernen.

Sprich mit anderen Trainern.
Hospitiere bei erfahrenen Coaches.
Schau dir Jugendspiele an.
Notiere, was in deinem Training funktioniert.
Notiere auch, was nicht funktioniert.
Passe Übungen an.
Frage deine Spieler nach Feedback.
Bilde dich weiter.

Gute Jugendtrainer entstehen nicht an einem Wochenende. Sie entwickeln sich durch Erfahrung, Reflexion und Austausch.


15. Fazit: Fang einfach an – aber fang bewusst an

Wenn du eine Jugendmannschaft übernimmst, brauchst du nicht sofort den perfekten Saisonplan.

Du brauchst zuerst einen klaren Blick auf deine Gruppe.

Wer steht vor dir?
Was brauchen diese Kinder oder Jugendlichen?
Was ist der nächste sinnvolle Schritt?
Wie kannst du viele Ballkontakte ermöglichen?
Wie kannst du Freude, Lernen und Entwicklung verbinden?

Wenn du diese Fragen regelmäßig stellst, bist du auf einem guten Weg.

Jugendtraining bedeutet nicht, Erwachsene kleiner zu machen. Jugendtraining bedeutet, Kinder und Jugendliche Schritt für Schritt in den Volleyball hineinzuführen.

Mit Geduld.
Mit Klarheit.
Mit Begeisterung.
Und mit dem Mut, selbst weiterzulernen.


Noch tiefer einsteigen?

Dieser Artikel gibt dir eine erste Orientierung für den Start mit deiner Jugendmannschaft.

Wenn du tiefer in Trainingsaufbau, Technikvermittlung, Spielformen, Coaching und langfristige Spielerentwicklung einsteigen möchtest, findest du in der VolleyballFREAK Masterclass regelmäßig Fortbildungen und Aufzeichnungen mit erfahrenen Coaches wie Vital Heynen, Max Hauser, Josef Wolf und Jan Maier.

Dort geht es nicht nur um einzelne Übungen, sondern um das Verständnis dahinter: Warum funktioniert eine Übung? Wann passt sie? Wie korrigiere ich? Und wie entwickle ich Spielerinnen und Spieler langfristig weiter?

Genau dieses Wissen hilft dir, aus einer Jugendgruppe Schritt für Schritt eine echte Mannschaft zu formen.