In der prallen Sonne, bei 35 Grad im Sand, geht es im Beachvolleyball oft um mehr als nur Technik. Es geht um Ausdauer, Hitze-Resilienz und die schnelle Erholung zwischen den Spielen. Aber was werfen sich die Profis eigentlich ein? Und was davon macht für dich im Hobby-Bereich Sinn?

Die Studie: Ein Blick in italienische Sporttaschen

Die Studie mit dem Titel “Which are the Nutritional Supplements Used by Beach-Volleyball Athletes? A Cross-Sectional Study at the Italian National Championship” liefert hier spannende Antworten. Durchgeführt wurde sie von einem internationalen Team um Stefano AmatoriDavide SistiFabrizio PerroniSamuel ImpeyMichela LantignottiMarco GervasiSabrina Donati Zeppa und Marco B. L. Rocchi. Beteiligt waren die University of Urbino Carlo Bo (Italien) sowie die Edith Cowan University (Australien).

Die Forscher:innen untersuchten 88 Athlet:innen (Profis und Amateure) während der italienischen Meisterschaft. Das Ziel: Licht ins Dunkel der Supplementierungs-Gewohnheiten zu bringen.

5 zentrale Kennzahlen der Studie

  1. 88 Athlet:innen: Die Stichprobe umfasste 40 Männer und 48 Frauen, sowohl aus dem Profi- als auch dem Amateurbereich.
  2. 33,6 °C: Das war die durchschnittliche Lufttemperatur während der untersuchten Turniere – eine massive Belastung für den Körper.
  3. 56,7 % „Wenig-Nutzer“: Über die Hälfte der Spieler:innen nimmt kaum oder gar keine Supplements, was eine hohe Heterogenität zeigt.
  4. 46,8 % Protein-Nutzer: Eiweißpräparate sind das am häufigsten verwendete Supplement (mindestens einmal pro Woche).
  5. 31,6 % Profi-Check: Nur knapp ein Drittel der Spieler:innen bezieht Informationen von Ernährungsberater:innen – der Rest verlässt sich auf das Internet oder Teamkolleg:innen.

Bauchgefühl vs. Wissenschaft

Erinnerst du dich an unseren Artikel über die „Hot Hand“ im Beach-Volleyball? Dort haben wir gelernt, dass unser Gehirn uns oft Erfolgsserien vorgaukelt, die statistisch gar nicht existieren. Bei Supplements ist es ähnlich: Viele Spieler:innen nehmen Präparate wie Carnitin oder Glutamin, für die es laut der italienischen Forscher:innen kaum wissenschaftliche Belege für eine Leistungssteigerung gibt. Wir greifen oft zu Pillen, weil wir glauben, dass sie helfen – nicht, weil die Daten es stützen.

Die 3 Typen im Sand

Die Studie hat die Spieler:innen per „Latent Class Analysis“ in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1 (56,7 %): Die Minimalisten. Nehmen fast gar nichts.
  • Gruppe 2 (17,0 %): Die „Voll-User“. Hier landet fast alles in der Tasche – von Vitaminen bis hin zu Kreatin und Koffein.
  • Gruppe 3 (26,2 %): Die Strategen. Sie nutzen gezielt einzelne Dinge, meist Proteine und Sportgetränke.

Relevanz für dich: Warum du das wissen musst

Egal ob du auf der World Tour spielst oder am Wochenende beim lokalen C-Turnier im Sand stehst: Die Umweltbedingungen (Hitze, Feuchtigkeit) sind beim Beach-Volleyball extrem.

„Dehydration of even 2% body mass might impair sports performance.“

Die Studie zeigt, dass viele Spieler:innen zwar Supplements für die Muskelmasse nehmen, aber oft keinen klaren Plan für die Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr während des Spiels haben. Dabei ist genau das der Hebel, der dich im dritten Satz bei 35 Grad im Spiel hält.

Grundsätze für dein Training und Turnier

Keine gute Idee beim Zocken. Foto: Volleyballfreak

Keine gute Idee beim Zocken. Foto: Volleyballfreak

Was kannst du aus den italienischen Daten für deinen Beach-Sommer lernen?

  1. Hydration ist King: Über 45 % der Profis nutzen Sportgetränke. Das ist kein Marketing-Gag. Bei Hitze verlierst du massiv Elektrolyte. Wasser allein reicht bei langen Turniertagen oft nicht aus.
  2. Koffein als legaler Booster: 36,9 % der Spieler:innen nutzen Koffein. Es ist eines der wenigen „Ergogenic Aids“ mit echter Evidenz für die Konzentration und Power im Sand.
  3. Protein für die Regeneration: Da Beach-Volleyball durch Sprünge und Sprints extrem exzentrisch belastend ist (Muskelkater-Gefahr!), macht die hohe Rate an Protein-Nutzern (46,8 %) absolut Sinn, um die Erholung zu beschleunigen.
  4. Hinterfrage deine Quellen: Verlass dich nicht nur auf das, was der/die Partner:in nimmt. Wenn 15,8 % der Profis ihre Infos nur von Teamkolleg:innen haben, schleichen sich schnell Mythen ein.
  5. Individuelle Strategie statt Gießkanne: Die Studie betont, dass Supplements nur dann helfen, wenn sie auf den/die spezifische:n Athlet:in und das Event zugeschnitten sind.

„A pragmatic approach to supplements and sports foods is needed in the face of the evidence that some products can usefully contribute to a sports nutrition plan…“

Zitate aus der Studie zum Nachdenken

  • „Our results highlighted a high heterogeneity in supplementation habits.“ (Die Gewohnheiten sind extrem verschieden, es gibt kein „Einheitsrezept“.)
  • „Athletes reported using carbohydrates in the form of bars and gels, 22.4% and 20.3% respectively.“ (Im Spiel sind schnelle Kohlenhydrate Trumpf.)
  • „The category of dietary supplements mainly comprises micronutrient supplements such as vitamins and minerals…“ (Viele Spieler:innen setzen auf Basis-Versorgung, um gesund zu bleiben.)
  • „Following advice from coaches, teammates, internet or non-scientific magazines may lead to bad supplement choices…“ (Vorsicht vor „Bro-Science“ am Spielfeldrand!)

Fazit für uns alle

Supplements sind die Kirsche auf der Sahne. Wenn Training, Schlaf und normale Ernährung nicht stimmen, hilft auch die teuerste Pille nicht. Aber: Wer im Sand bei Hitze bestehen will, sollte besonders das Thema Flüssigkeit + Elektrolyte und Protein zur Erholung ernst nehmen.

Quelle

Amatori, S., Sisti, D., Perroni, F., Impey, S., Lantignotti, M., Gervasi, M., Donati Zeppa, S., & Rocchi, M. B. L. (2020). Which are the Nutritional Supplements Used by Beach-Volleyball Athletes? A Cross-Sectional Study at the Italian National Championship. Sports, 8(3), 31.

Link zum Artikel (Open Access): https://doi.org/10.3390/sports8030031

(Hinweis: Der Artikel ist frei zugänglich, einige weiterführende Literaturhinweise können jedoch hinter einer Paywall liegen).