Pünktlich zum Tag der gesunden Ernährung am 7. März werfen wir heute einen Blick auf ein Thema, das in fast jedem Vereinsheim und jeder Sporthalle präsent ist, über das aber selten wissenschaftlich fundiert gesprochen wird: Der Alkoholkonsum im Sport. Wir alle kennen das „isotonische Kaltgetränk“ nach dem Training. Doch wo verläuft die Grenze zwischen geselligem Beisammensein und einem problematischen Konsum? Die Diplomarbeit von Simon Mogg (Universität Graz) liefert uns spannende Einblicke durch einen sportartspezifischen Vergleich zwischen Fußball, anderen Ballsportarten (wie unserem geliebten Volleyball) und Individualsportarten.
Der Status Quo: Wer trinkt was und wie viel?
In der Studie wurden 203 männliche Athleten befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Mannschaftssportler – egal ob Fußballer, Handballer oder Volleyballer – greifen signifikant häufiger zum Glas als Individualsportler. Während Einzelathleten oft als „protektive Schutzzone“ fungieren, in der Disziplin und Körperkontrolle dominieren, ist der Alkoholkonsum im Mannschaftssport tief in der Vereinskultur verwurzelt.
Interessant für uns: Entgegen dem Klischee, dass Fußballer die „Spitzenreiter“ im Trinken sind, zeigt die Studie, dass andere Ballsportarten (Volleyball, Basketball, Handball) oft sogar noch höhere Werte beim durchschnittlichen Konsum erreichen.
Warum trinken wir? Die Macht der Gruppe
Warum ist das so? Ein zentraler Faktor ist die Gruppendynamik. Im Team feiert man gemeinsam Erfolge, aber man verarbeitet auch gemeinsam Niederlagen. Alkohol wirkt hier oft wie ein sozialer Klebstoff.
„In der Regel wird hierbei zwischen hochprozentigen Getränken wie Schnaps, oder gängigen niedrigprozentigen Getränken wie Bier und Wein unterschieden. Der Zweck des Alkoholkonsums kann je nach Anlass oder der Einstellung der Konsumierenden gegenüber Alkohol variieren.“
Besonders das Feiern von Erfolgen ist ein starker Trigger. Wer gewinnt, stößt an. Die Studie belegt einen signifikanten Zusammenhang: Sportler, die Siege exzessiv feiern, weisen insgesamt einen höheren Alkoholkonsum auf.
Der biologische Preis: Was passiert mit unserer Leistung?
Auch wenn das Bierchen nach dem Sieg herrlich schmeckt – physiologisch gesehen ist es für unseren Körper eine Vollbremsung. Alkohol verschlechtert die Koordination, verlängert die Reaktionszeit und hemmt die Regeneration der Muskeln. Besonders kritisch: Er entzieht dem Körper Wasser und stört den Zuckerstoffwechsel, was zu Unterzuckerung führen kann.
„Alkohol und Sport sind unvereinbar. In den meisten Sportarten verschlechtert Alkohol die Leistungsfähigkeit durch seine blutzuckersenkende Wirkung und durch den negativen Einfluss auf das Koordinationsvermögen.“
Individualsportler als Vorbild?
Warum halten sich Triathleten oder Schwimmer eher zurück? Die Studie zeigt, dass Individualsportler ihre persönlichen Ziele oft über die kurzfristige Geselligkeit stellen.
„Das Motiv der persönlichen Zielsetzungen steht in einem signifikanten Zusammenhang mit der Abstinenz von Alkohol bei den befragten Sportlern.“
Für Einzelkämpfer ist der Körper das einzige Werkzeug – jede Störung durch Alkohol wird sofort als Bedrohung der eigenen Bestzeit wahrgenommen. Im Team hingegen wird die Verantwortung für die Leistung auf viele Schultern verteilt, was den „psychologischen Druck“ mindern, aber auch die Hemmschwelle für den Konsum senken kann.
Die Rolle des Vereins und der Trainer:innen
Wir als Volleyballer:innen verbringen viel Zeit in der Halle und im Vereinsumfeld. Die Arbeit macht deutlich, dass das Vereinsmilieu eine Schlüsselrolle spielt.
„Die Ergebnisse veranlassen dazu, insbesondere bei Mannschaftssportarten ein Bewusstsein für einen problematischen Alkoholkonsum innerhalb von Vereinskulturen zu schaffen.“
Hier sind vor allem die Trainer:innen und erfahrenen Spieler:innen gefragt. Sie fungieren als Vorbilder für die Jugend. Wenn nach jedem Training der Kasten Bier im Mittelpunkt steht, wird dieses Ritual von den Jüngeren ungefiltert übernommen.
Strategien für Trainer:innen zur Prävention
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Vorbildfunktion aktiv leben: Trainer sollten sich bewusst sein, dass Jugendliche ritualisierte Verhaltensweisen der Erwachsenen – wie das Bier nach dem Training – häufig nachahmen. Eine ablehnende Haltung des Trainers gegenüber exzessivem Konsum kann das Trinkverhalten von Jugendlichen protektiv beeinflussen.
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Leistungsorientierung stärken: Es sollte vermittelt werden, dass hoher Alkoholkonsum und sportliche Ambitionen schwer vereinbar sind. Sportler, die ihre persönlichen Ziele gefährdet sehen, weisen statistisch einen geringeren Konsum auf.
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Alternativen zu „Sieg-Ritualen“ schaffen: Da Alkoholkonsum oft fest mit dem Feiern sportlicher Erfolge verknüpft ist, sollten Trainer alternative Wege finden, um Siege in der Mannschaftskultur zu zelebrieren.
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Sensibilisierung für die Vereinskultur: Trainer müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die traditionelle Geselligkeitskultur in Mannschaftssportarten ein „Risikomilieu“ für frühen Alkoholkonsum darstellen kann.
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Wissen vermitteln statt nur verbieten: Erkläre den Jugendlichen die physiologischen Folgen: Alkohol stört die Koordination, verlängert die Reaktionszeit und verschlechtert die Leistungsfähigkeit durch seine blutzuckersenkende Wirkung
Fazit: Genuss mit Köpfchen
Niemand möchte das gesellige Bier nach einem harten Fünf-Satz-Sieg verbieten. Aber zum Tag der gesunden Ernährung sollten wir uns bewusst machen: Die Dosis macht das Gift.
„Vielmehr birgt der ‚normale‘ Alkoholkonsum Risiken, da dieser am häufigsten verbreitet ist.“
Wer seine Ziele auf dem Feld erreichen will, sollte den Alkohol als das sehen, was er ist: Ein Genussmittel, das nichts mit der sportlichen Leistung zu tun hat. Ein bewusster Umgang stärkt nicht nur die Gesundheit, sondern am Ende auch unsere Performance auf dem Court.
In diesem Sinne: Bleibt sportlich, achtet auf euch und euer Team!






