Flatter-Aufschlag (im Stand und Sprung)

Für Annahmespieler können sie der echte Horror sein: Der Ball fliegt zunächst auf Dich zu nur um im letzten Moment noch einen Meter nach links zu flattern und schon ist die Annahme versaut. Gemeint sind Flatter-Aufschläge. In der Literatur findet man sie unter verschiedenen Bezeichnungen, teils auch unter deren englischen Namen…

  • (Stand) Float-Aufschlag oder Serve
  • Sprung-Flatter oder Jump-Float Aufschlag oder Serve

Solche Bälle dürfte wohl jeder Volleyballer kennen. Gemeint sind Aufschläge, die sich des so genannten Flatter-Effekts (Float) bedienen. In diesem Beitrag möchte ich Euch diese Aufschläge, sowohl als Stand als auch als Sprung-Varianten vorstellen, gezielte Übungen zum Erlernen und Verbessern des eigenen Aufschlags, zusammen mit Tipps bei technischen Fehlern und Strategien für eine effektive Aufschlagstrategie. Das Ganze natürlich auch wieder mit übersichtlichen Skizzen der Übungen sowie Fotos des Bewegungsablaufs/ der Knotenpunkte.

Knotenpunkte/ Bewegungsbeschreibung/ Technikbeschreibung beim (Sprung-) Flatter-Aufschlag

Reine Physik: Warum flattern Bälle beim Float-Aufschlag?

Wird ein rundes Objekt (im Volleyball der Spielball) mit einem zentrierten Kraftimpuls in Bewegung gesetzt, schiebt der Ball (abhängig von seiner Geschwindigkeit) Luftmassen vor sich her. Diese strömen, wenn der Ball stabil durch die Luft fliegt und nicht rotiert, nicht gleichmäßig am Ball vorbei, sondern können eher oben, unten, links oder rechts am Ball vorbeiströmen. Ergebnis ist ein Verlassen der stabilen Flugbahn: Strömt zum Beispiel mehr Luft über den Ball wird der Ball unberechenbar früher nach unten fallen. Ein guter Flatterball ist so kaum einzuschätzen. Die neuen, modernen Molten und Mikasa Bälle sind „runder“ geworden und haben so hervorragende Flatter-Eigenschaften.

1. Stand-Flatter-Aufschlag (Float Serve)

Alle technischen Angaben gelten für Rechtshänder – Linkshänder führen die Bewegung entsprechend gespiegelt aus! Beschrieben wird der Volleyballaufschlag mit einhändigem Anwurf mit dem Gegenarm. Anfängern bereitet das Anwerfen zu Beginn meist die größte Mühe, beherrschen sie dies aber einmal, ist der Rest der Bewegung einfacher technisch-sauber durchzuführen. Zudem kann es auch für andere Techniken nicht schaden, einen guten einhändigen Anwurf zu beherrschen.

In Vorbereitung zum Aufschlag steht der Spieler aufrecht und in leichter Schrittstellung mit dem linken Fuß etwa eine Fußlänge vorne. Die Schulterachse ist parallel zur Grundlinie/ senkrecht zur Schlagrichtung. Der rechte Arm ist leicht gebeugt oben/ seitlich neben dem Kopf, das Handgelenk ist in Verlängerung des Arms fixiert und der Ellbogen ist auf Höhe des Ohrs. Die linke Hand hält den Ball vor der rechten Schulter in Brusthöhe. Der Anwurf des Balls erfolgt mit der linken Hand und möglichst ohne Rotation senkrecht nach oben vor den Körper (ca. 1m über Kopfhöhe, mindestens aber auf die maximale Abschlaghöhe mit gestrecktem Arm). Die rechte Schulter wird leicht zurück geführt, der gewinkelte Arm folgt der Bewegung. Die Finger der Schlaghand sind fest und ganz leicht aufgespreizt. Anschließend schiebt sich die Schulter der Schlaghand nach vorne, die Hand ist fest gespannt, das Handgelenk bleibt fixiert. Der peitschenartige Schlagarm soll den Ball vor der Körperachse mittig zentriert im Ball treffen. Das Gewicht verlagert sich weiter auf die rechte Seite.

Nach dem eigentlichen Schlagen des Balls bleibt das Handgelenk weiter fixiert. Die Schlagbewegung soll abrupt abgestoppt werden. Anschließend begibt sich der Spieler im Feld in eine aktive Spielhaltung.

Variante: Flatteraufschlag mit Auftaktschritt

2. Sprung-Flatter-Aufschlag (Jump-Float Serve)

Technisch unterscheidet sich der Sprung-Flatter-Aufschlag nicht wesentlich von der Stand-Variante. Gründe, den Sprung-Flatter-Aufschlag zu erlernen oder zu vermitteln können der höhere Treffpunkt sein, so dass der Ball parallel zum Boden über das Netz und somit mit höherer Geschwindigkeit geschlagen werden kann als aus dem Stand von leicht unterhalb der Netzkante, sowie der damit verkürzten Zeit der Annahmespieler, sich auf die Annahme vorzubereiten.

Verschiedene Varianten des Sprung-Flatter Aufschlags sind möglich

Die Grundposition vorm Schlag bleibt die gleiche, auch beim Jump-Float gibt es verschiedene Varianten

  • beim Anwurf: einarmig, beidarmig, den aufsteigenden Ball schlagen, den Ball am höchsten Punkt schlagen,
  • beim Absprung: einbeinig-eingesprungen, beidbeinig-abgesprungen, leicht-zeitversetzt nacheinander abgesprungen
  • beim Anlauf: nur ein Schritt, zwei oder drei Schritte, mehrere Auftaktschritte oder auch aus dem Stand abgesprungen

Welche Variante ihr bevorzugt, ist verhältnismäßig egal. Aus oben beschriebenen Gründen empfehle ich den einarmigen Anwurf mit einem Anlauf ähnlich dem des Angriffsschlags (Auftaktschritt, Stemmschritt und Beistellschritt).

Nach einem Auftaktschritt mit links erfolgt zeitgleich mit dem zweiten Schritt der Anwurf leicht nach vorne/ oben, am besten ohne Rotation und so hoch, dass der Spieler den Ball mit langem Arm abschlagen kann. Mit dem dritten Beistellschritt erfolgt der Absprung aus einer leichten Schrittstellung. Der Anlauf, Sprung sowie die Schlagbewegung sollte linear in die gleiche Richtung gehen, dies ist für eine optimale Impulsübertragung wichtig. Die Schulterachse bleibt stabil. Im Sprung bleibt der Oberkörper stabil und in Spannung. Es kommt zu keiner Verwringung im Oberkörper! Der Schlagarm sollte früh in der finalen Ausholposition sein. Der Impuls durch den Sprung nach vorne/ oben soll zusammen mit dem explosiven Armzug und dem Abstoppen nach dem Treffen des Balls auf diesen übertragen werden. Nach einer sicheren, beidbeinigen Landung begibt sich der Spieler wieder in eine aktive Spielposition. Es gelten weiterhin die Bewegungsbeschreibungen den Schlagarm und Treffpunkt betreffend, die auch schon beim Stand-Float gemacht wurden.

VolleyballFREAK-TIPP: In der modernen Trainingslehre ist man abgekommen von starren Volleyball-Technik-Modellen. Jeder Spieler kann eigene technische Ausprägungen haben. Jedoch sollte einige Knotenpunkte, die sich als nötig erwiesen haben, in jeder Technik-Variante auftauchen. Meist erkennt man aber bei einzelnen Vereinen/ Trainern eine „Handschrift“ bezogen auf die Vermittlung von Techniken. Diese „Technikschulen“ können international sehr verschiedene Ansätze haben. Entscheidend für eine gute Technik ist nur, dass positive Ergebnis (der Punkt) und das die Technik laut Volleyball-Reglement korrekt durchgeführt wird (also zum Beispiel darf der Ball beim Aufschlag nicht aus der Hand geschlagen werden, sondern muss vorher angeworfen werden – auch wenn diese Art des Aufschlags sicher erfolgreich sein könnte).

Warum und wie den Flatter-Aufschlag einsetzen (Taktiken)?

Die Zielsetzungen des Float-Aufschlags sind…

  • zielgenau die schwächere Seite der Annahmespieler zu treffen
  • zielgenau die Überschneidungszonen zwischen den einzelnen Annahmespielern zu treffen und so Missverständnisse zu erzeugen
  • präzise Aufschlage auf den temporär labilsten Annahmespieler
  • taktische Aufschläge in den Bereich des Schnellangreifers um den Angriffsaufbau zu stören
  • taktische Aufschläge in den Bereich des Zuspielers um die Laufwege zu stören
  • Aufschläge auf Position I /II damit der Zuspieler mit einem Pass aus dem Rücken agieren muss
  • Aufschläge kurz auf Pos. II, damit die Zeit zwischen 1. und 2. Ball verkürzt wird

Methodische Reihe zum Erlernen und Verbessern des Flatter-Aufschlags

Volleyball-Techniken wie das Pritschen oder auch der Aufschlag sind nicht gerade natürliche Bewegungen. Deshalb ist es ratsam, beim Erlernen methodisch vorzugehen. Gerade im Kindes- und Jugendalter sind viele Kontakte ein Schlüssel zum Technikerwerb (Wiederholungsmethode). Die Übungsreihen und kleinen Spielformen sollten dabei immer…

  • vom Leichten zum Schweren und
  • vom Einfachen zum Komplexen

aufgebaut werden. Damit es nicht langweilig wird, helfen meist auch Spielformen gegeneinander oder auch Übungsformen bei welcher Gruppen versuchen, die längsten Serien/ meisten Netzüberquerungen zu schaffen.

Hier einige Basis-Übungsformen, die helfen, die Technik zu festigen oder auch im frühen Teil eines Fortgeschrittenen-Trainings eingebaut werden können. Gerne könnt ihr die Übungen für Eure Bedürfnisse auch abwandeln und anpassen . der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, so könnt ihr verschiedene Bälle, Drucksituationen oder auch Änderungen der Grundposition und des Anwurfs ausprobieren.

1. Technik-Erwerbs-Training

Das größte Problem macht erfahrungsgemäß sowohl beim Stand- als auch beim Sprung-Flatter Aufschlag der korrekte Anwurf (ob nun ein- oder beidarmig). Um möglichst viele Wiederholungen zu haben, können Aufschläge zunächst aus kurzer Distanz über das Netz oder gegen Hallen-Trennwände auf Markierungen geschlagen werden. Hierbei soll zunächst penibel auf einen korrekten Anwurf und Treffpunkt oben/ vor dem Körper geachtet werden, nur so wird der Spieler ein gutes Selbst-Gefühl bekommen und in Zukunft merken, wenn etwas nicht stimmt.

Der zweite häufige Fehler ist das Nicht-Flattern des Balls durch unsauberes Treffen des Balls: Häufig wird der Ball entweder zu langsam, nicht zentriert, mit abklappenden Handgelenk oder nicht abstoppender Bewegung getroffen, so dass der Ball Rotation erfährt und eine ausrechenbare Flugbahn erfährt.

Wichtig ist, eine gewisse Routine/ Ritual zu erlernen, da der Aufschlag grundsätzlich ohne echten Zeitdruck und in allen Hallen nahezu immer gleich ausgeführt werden kann. Dies lässt sich nur über die Wiederholungsmethode erreichen, auch wenn dies zunächst ein wenig stumpf sein kann, schon nach kurzer Zeit werden sich die Erfolge einstellen und dann könnt ihr den Aufschlag in komplexeren Spielformen einbinden.

2. Vertiefendes, komplexes Aufschlag-Training mit Spielformen

Ist die Technik des Aufschlags stabilisiert, kann der Aufschlag spielgemäß und unter Drucksituationen im Training eingesetzt werden. Hier können sowohl Kleinfeldspiele als auch Spiele auf dem Großfeld eingesetzt werden. Es müssen grundsätzlich die regulären Volleyball-Regeln gelten, Trainer können diese jedoch gemäß des Schwerpunktes erweitern oder ergänzen, zudem muss jeder Ball ausgespielt werden.

  • Big-Point Spiele mit zusätzlichen „Danke-Bällen“ durch den Trainer sind sinnvoll um die Intensität mind. auf Spielniveau zu steigern
  • Zusatzpunkte für Asse oder Service-Winner können sinnvoll sein
  • Rotationen können erst nach einer bestimmten Anzahl an Punkten oder nach einer bestimmten Zeit ausgelöst werden
  • „Einseitige Spiele“, bei welcher nur ein Team Aufschlagrecht hat und das andere permanent in der Annahme steht (Aufgaben wechseln nach 15 Punkten)

Typische Fehler (Analyse) & deren Korrekturen

Beim Lernen kann es immer wieder zu typischen Fehlerbildern kommen. Hier einige davon, und was ihr dagegen tun könnt.

  • Der Anwurf erfolgt in den Rücken oder seitlich versetzt
    Der Anwurf ist DER limitierende Faktor beim Aufschlag. Hier helfen nur viele Wiederholungen und direkte Rückmeldung durch den Trainer. Auch visuelle Hinweise mit Videounterstützung oder Bildreihen können helfen, den Aufschlag zu verbessern. Ebenso wie das Ausführen von „geführten“ Bewegungen, bei welchem der Trainer Arm, Hand und Schulter mit seinen Händen führt und begleitet.

VolleyballFREAK-TIPP: Wiederholt akustisch nicht den Fehler, sondern betont, wie es richtig ist, also: NICHT: Der Anwurf ist zu flach, SONDERN: Wirf den Ball höher!

  • Das Handgelenk klappt ab
    Akustisch rückmelden, Videoaufnahmen helfen ebenso. Auch das Anfassen der Handfläche und des Handgelenks (haptil) durch den Trainer kann helfen, ebenso wie Tapestreifen die über den Handrücken und Unterarm ziehen und ein Abklappen verhindern
    Arbeitet mit ruhenden/ gehaltenen Bällen
  • Der Schlagarm schwingt durch
    Führt die Schlagbewegung gegen die Wand aus, so dass der Arm nicht durchgeschwungen werden kann. Auch akustische Helfer wie die Bilder von der „heißen Kartoffel“ oder „Herdplatte“, die nur kurz berührt werden dürfen, können helfen. Ansonsten natürlich auch wieder der Einsatz von Videoaufnahmen.
  • Der Ball fliegt nicht stabil
    Der Ball wurde nicht zentriert und mit festem Handgelenk getroffen.
    Siehe die vorangegangenen Korrekturen.

Weiterführende Literatur

Wollt Ihr Euch noch ein wenig mehr in die Materie einlesen, empfiehlt der VolleyballFREAK…

VolleyballFREAK-TIPP #1 Handbuch für Volleyball – Grundlagen

Diese Volleyball-„Bibel“ gibt es nun bereits in der 9. Auflage (von 2010, gebundenes Buch im Meyer & Meyer Sport Verlag, auch auf englisch verfügbar) und gehört sicherlich zu den Klassikern der Volleyball-Literatur.

Handbuch für Volleyball - Grundlagen
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Handbuch für Volleyball - Grundlagen*
  • Athanasios Papageorgiou, Willy Spitzley
  • Meyer & Meyer Sport
  • Auflage Nr. 10., Auflage (03.08.2015)
  • Taschenbuch: 352 Seiten

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VolleyballFREAK-TIPP #2 Handbuch für Leistungsvolleyball

Das Handbuch für Leistungsvolleyball (5. Auflage von 2006, Meyer & Meyer Sport Verlag) setzt nahtlos am Grundlagen-Band Handbuch für Volleyball an: Vom 2:0:4 Spielsystem werden nahezu alle relevanten Formationen, Läufersysteme, Scheinläufer, Angriffskombinationen, Annahmeriegel sowie Zuspiel-, Annahme-, Angriffs-, Block- und Feldverteidigungstaktiken vorgestellt und Trainingsformen in unzähligen Varianten beschrieben.

Handbuch für Leistungsvolleyball
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Handbuch für Leistungsvolleyball*
  • Athanasios Papageorgiou, Willy Spitzley
  • Meyer & Meyer Sport
  • Auflage Nr. 5. Auflage (05.05.2006)
  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten

Letzte Aktualisierung am 20.09.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Viel Spaß beim Trainieren!