Mitte März hat VolleyballFREAK durch das Interview mit Athanasios Papageorgiou die breite Öffentlichkeit auf die Belange der Deutschen Behinderten Beachvolleyball Nationalmannschaft aufmerksam gemacht. In deren Spendenaktion ist – auch dank der Spenden von Euch VolleyballFREAKs – das Spendenziel mit 2736€ sogar übertroffen worden. Das deutsche Team konnte also die Koffer packen und am ersten Turnier der World ParaVolley Serie in Pingtan/ China teilnehmen.

Doch wie ist es gelaufen? Hier ein Blick auf das Turnier – leider mit tragischem Ausgang für das deutsche Team.

Das Behinderten Beachvolleyball-Nationalttam inkl. Trainer in China

Sportlich top – organisatorisch ein Flop

Vorbereitung auf die Spiele unter den Augen von Trainer Athanasios Papageorgiou … da war noch alles gut!

Sportlich hätte die Vorrunde für das deutsche Team mit vier 2:0 Siegen gegen Polen2, Australien, Indien1 und China in der Vorrunde kaum besser laufen können. Massive Probleme gab es jedoch durch „organisatorische Defizite“ im Turnierverlauf. Hier ein Protokoll auf Grundlage des Schreibens von Frank-Thomas Hartleb (Director of Sports des DBS) an den Präsidenten von World ParaVolley (WPV) Barry Couzner sowie eines Telefonats mit Athanasios Papageorgiou.

  • Mit den USA ist eine Mannschaft zum Turnier zugelassen worden, die zu Turnierbeginn nicht vollzählig war und zu den ersten zwei der drei Vorrundespielen nicht antreten konnte: Drei Spieler sind nötig; Eric Duda, der dritte Spieler der USA saß laut Angaben der Amerikaner mit Einreiseproblemen nach China in Hongkong fest. So konnte der abwesende Spieler keine Dopingkontrolle unterzogen werden. Dadurch, und aufgrund der Tatsache, dass die USA erheblich weniger Spiele in der Vorrunde zu absolvieren hatte, ist eine Wettbewerbsverzerrung entstanden.
  • Vorangegangen war bereits, dass zu Turnierbeginn kein unabhängiges Kampfgericht seitens WPV bestimmt worden war, sondern dass dieses Kampfgericht erst aufgrund vielfacher Proteste eingerichtet worden ist. Die Zusammensetzung des Kampfgerichts ist ein weiterer Fehler, da zwei der Mitglieder vom WPV, die die vorangegangenen fehlerhaften Entscheidungen trafen, dem 4-köpfigen Kampfgericht angehörten.
  • Dennoch bekamen die USA zunächst zwei Punkte für zwei nicht ausgetragene Spiele der Vorrunde zuerkannt, die dann nach Protest der Mannschaft aus Polen wieder zurückgenommen worden sind.
  • Nach der Gruppenphase belegten die USA mit einem gewonnenen Spiel gegen Indien zwei den 4. Platz (2 Punkte), die sieglosen Inder den 3. Platz (3 Punkte, je einen für jedes angetretene Spiel).
    • Das mag regelkonform sein, ist einem Außenstehenden aber schwer zu vermitteln.
  • In der Folge legten die Mannschaften aus Deutschland, Indien, Australien und der Slowakei Protest ein mit der Begründung, dass ein Team, welches in zwei der drei Vorrundenspielen nicht vollständig ist und deshalb nicht antritt, nicht in die nächste Runde einziehen darf. Dem Protest ist nicht entsprochen worden, die Protestgebühr wurde aber dennoch erstattet.
  • Als Folge dieses Beschlusses entschied sich das deutsche Team einstimmig und trotz realistischer Siegchancen „schweren Herzens“ und zu Gunsten des Fairplay-Gedankens aus dem Turnier auszuscheiden.
  • Nach schriftlicher Verkündung dieses Schrittes schlug die Turnierleitung Anpassungen des Turnierplans vor, jedoch keine Teilnahme der USA „außer Konkurrenz“, wie z.B. beim Team China. Die vom WPV vorgeschlagene Anpassung des Turniermodus wurde von den Mannschaften nicht akzeptiert. Somit hatte die deutsche Nationalmannschaft keinen Grund ihre Nichtteilnahme zu revidieren.
  • So zogen die USA – mit zwei beziehungsweise drei Spielen weniger – frischer und erholter als alle anderen Teams ins Viertelfinale ein – und gewannen letztlich das Turnier.
  • Das deutsche Team sieht das Zurückziehen als ein starkes Signal an den Fairplay-Gedanken und hofft, dass die Vorkommnisse keinen Schatten auf die gesamte Sportart werfen und die Chancen für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles schmälert.
  • Am 18. Mai schickte der Präsident des WPV, Barry Couzner, einen Brief an Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Nationalen Paralympischen Komitees, in welchem er die Einrichtung eines Tribunals ankündigt. Dieses solle die Vorkommnisse in China aufarbeiten.
  • Drei Tage später, am 21. Mai schickte Frank-Thomas Hartleb eine mit dem gesamten Nartionalteam abgestimmte Erwiderung des Schreibens an den WPV.
Unser Nationalteam zeigte tolle Ballwechsel im Sand.

Fazit

Sportlich ist das Team mit seiner Entwicklung zufrieden. Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass das erste große Turnier der Behinderten Beachvolleyball Nationalmannschaft mit so viel Ärger endet.

Das deutsche Team wünscht sich einen öffentlichen Diskurs zu den Vorgängen – Kommentare sind also gerne gesehen: Was denkt ihr zu den geschilderten Vorkommnissen?

Sehen wir solche Jubelbilder auch auf Word Series Turnieren?

Wie geht es weiter – was sind die nächsten Schritte?

Der Plan des Teams ist, auch beim nächsten World Series Turnier in Polen (Details sind noch nicht bekannt) wieder an den Start gehen zu können.

Ob es Sanktionen für das deutsche Team geben wird ist ungewiss. Bundestrainer Papageorgiou behält sich aber weitere Schritte, wie das Einschalten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) und des Volleyball Weltverbandes (FIVB) vor.

Wenn/ was der WPV antwortet und unternimmt, erfahrt ihr bei uns. Wir halten Euch auf dem Laufenden…

Zum Thema recherchierte VolleyballFREAK Redakteur Tobias Goerlich. Bereits kurze Zeit nach dem Start des Blogs in 2014 schreibt Tobias regelmäßig für VolleyballFREAK. Mehr zu Tobias hier