Eine neue Mannschaft stellt sich nicht alleine auf die Beine. Es gibt viele Punkte, an die gedacht werden muss und woran so ein Projekt scheitern kann. Da wir in meinem Verein TVA Fischenich erst im vergangenen Sommer in kurzer Zeit eine neue Damenmanschaft ins Leben gerufen haben, möchte ich an diesem Praxisbeispiel diese wichtigen Punkten näher bringen. Zum Schluß werde ich alles zu einer kurzen Checkliste zusammenfassen.

Die Ausgangslage

Im April 2015 ging die damalige Saison zu Ende. Die Mädels unserer weiblichen A-Jugend waren größtenteils zu alt für eine weitere Saison in der Jugend und die Mannschaft trainierte in den letzten Wochen kaum noch. So standen wir im Verein vor der Frage: Was machen wir mit den Mädels? Schließlich sollten sie nicht in der Luft hängen und als Verein möchte man natürlich auch die Früchte seiner Jugendarbeit ernten. Einige hatten das Potential für die Mannschaften in der Landesliga und Bezirksliga. Für die übrigen musste eine Alternative her.

Hierbei gibt es manchmal noch echte Zufälle im Leben. So bekamen wir in der Abteilungsleitung Anfang Mai 2015 eine Anfrage von Außen, wo 2-4 Spielerinnen einen neuen Verein suchten. Also setzten wir uns mit ihnen in Verbindung und leiteten alles in die Wege. Zusammen mit unseren Jugendspielerin bildeten sie das Grundgerüst des neuen Teams.

1. VolleyballFREAK-Tipp: Ohne Spieler(innen) kann kein Team existieren. Daher solltet Ihr aus meiner Sicht ab potentiellen 8 Spieler(innen) aktiv werden.

Die richtige Trainingszeit finden

Im nächsten Schritt hieß es für uns mögliche Trainingszeiten zu organisieren. Hierzu führt der Weg natürlich über die Stadtverwaltung. Auch hier hatten wir im Mai 2015 noch Glück, dass gerade ein paar freie Hallenzeiten in Hürth verfügbar waren und die Flüchtlingskrise noch nicht so spürbar war.In der Regel sind Zeiten von montags bis donnerstags zwischen 19 und 22 Uhr die beliebtesten Trainingszeiten. Wir konnten den Damen letztendlich 5 Zeiten anbieten . Die finale Einigung auf 2 Trainingszeiten lief auch hier sehr unkompliziert ab.

2. VolleyballFREAK-Tipp: Kümmert euch rechtzeitig um attraktive Trainingszeiten in guten Sporthallen. Damit steigt und fällt das ganze Projekt.

Gute Volleyballtrainer fallen nicht vom Himmel

Stehen die Trainingszeiten fest, startet die Trainersuche. Hier kann man die Methoden aus der Spielersuche schnell und effektiv  größtenteils anwenden. Hierbei kann ich euch besonders die Facebookgruppe “VDVT – Vereinigung deutscher Volleyballtrainer” ans Herz legen.  Im Beispiel unserer neuen Damenmannschaft hatten wir es relativ einfach. Es meldeten sich direkt 2 Interessenten aus dem eigenen Verein . Das war nahezu perfekt, weil so die Spielerinnen direkt zwischen 2 möglichen Trainern vergleichen konnten.

Ein entscheidender Faktor bei der Trainersuche ist in jedem Fall die Vergütung. Ich kenne Beispiele aus Thüringen und Baden-Würtemberg, wo Jugendtrainer bei 10 – 12h/Woche mit pauschal 50€ bzw 150€ im Monat “abgespeist” werden. Da gehört schon ein Menge Herzblut und Motivation im Ehrenamt dazu, einen solchen Aufwand für einen Lohn unterhalb der Mindestlohngrenze zu betreiben. Dafür schon mal einen fetten Respekt an alle VolleyballFREAKs, denen es ähnlich geht. Mehr zum Thema Gehalt und noch einiges mehr könnt ihr in meinem Artikel “Trainer – Mädchen für alles” nachlesen.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Trainerauswahl sollten dessen Prioritäten sein. Spielt der Trainer zum Beispiel selber noch in einer anderen Mannschaft, sollte vorher geklärt sein, welches Team Priorität hat. Aus Sicht des Vereins sollte die trainierte Mannschaft natürlich oberste Prio haben.

In seltenen Fällen gibt es auch Lösungen mit einem Spielertrainer in der Mannschaft. Prinzipiell rate ich davon ab, da dieser während Training und Punktspiel nicht die volle Konzentration auf das Coachen legen kann. Es kann meines Erachtens funktionieren, wenn der Spielertrainer irgendwann mal deutlich höher (mind. 3-4 Ligen höher) gespielt hat.

Mehr Spieler für die Mannschaft

Im Anschluss sind wir direkt die weitere Spielersuche – schnell und effektiv – angegangen. Hierzu haben wir über alle möglichen Kanäle (Webseite, Facebook, E-Mail-Verteiler, Presse, usw.) die neue Damenmannschaft und Trainingszeiten bekannt gemacht und Interessenten zum Probetraining eingeladen. Hierbei wurde das Leistungslevel erstmal auf Einsteiger und Wiedereinsteiger festgelegt. Dies erleichtert die Suche nach potentiellen Spieler(innen) natürlich nochmal ungemein, kann aber später zu Problemen führen. Bei uns kamen viele weitere Damen aus dem Bekanntenkreis, gerade bei Einsteiger-Niveau erscheinen Spieler(innen) oftmals in Begleitung und wollen ihr Hobby gerne mit Freunden ausüben.

3. VolleyballFREAK-Tipp: Lasst die Mannschaft nicht zu groß werden. Optimalerweise besteht ein Kader aus 12 bis 14 Volleyballer.

Equipment nicht vergessen

Das Bild zeigt 3 Volleyball-Balltaschen und 3 Volleybälle von Molten und Erima..

Ohne Volleybälle, Netze und Volleyballantennen kann man schlecht trainieren. Mit etwas Glück, bekommt ihr eine Trainingszeit in der selben Halle,in der bereits die anderen Teams aus eurem Verein trainieren. Dann lohnt es sich über einen gemeinsamen Schrank nachzudenken. Unsere neue Damenmannschaft trainiert leider in einer komplett anderen Halle, weshalb diese Option leider entfiel. Darüber hinaus musste es zum Anfang ziemlich schnell gehen, weshalb wir etwas improvisierten. Wir haben die benötigten Dinge erstmal von einer anderen Mannschaft geborgt bzw. hin und her geschoben. Dadurch konnten in Ruhe die Volleybälle günstig eingekauft und ein Netz mit Antennen aufgetrieben werden. 1-2 Balltaschen sorgen dafür, dass die Volleybälle nicht lose herumfliegen. Meist bekommt man diese Balltaschen in den spezialisierten Onlineshops bei Großbestellungen umsonst dazu.

Weiterhin kann man natürlich über weiteres optionales Trainingsequipment wie Ballwagen oder Spezialbälle nachdenken. Aber gerade letzteres macht aus meiner Sicht bei Anfängern erstmal gar keinen Sinn. Dafür solltet ihr aber unbedingt an Eisspray und Kühlpacks für die Erste-Hilfe denken.

4. VolleyballFREAK-Tipp: Optimalerweise besorgt ihr zum Anfang 12 Volleybälle mit Balltasche, ein Netz und ein Paar Antennen.

Weiteres Volleyballzubehör findest du hier

Reine Trainingsgruppe oder Spielbetrieb

Mit der Spielersuche muss man auch schauen, wie sich das Mannschaftsgefüge langsam zusammensetzt. Dabei wird sich heraus kristallisieren, ob das Team für den Spielbetrieb schon bereit ist oder ob man sie lieber doch erst noch ein Jahr als reine Traininggruppe fortführt.

Bleibt es vorerst bei einer reinen Trainingsgruppe, kann man nach Hobbyturnieren Ausschau halten. Damit führt ihr die Mannschaft langsam an Wettkampfsituationen heran. Zudem sind solche Tage auch immer super für das Teamgefühl.

Entscheidet ihr euch aber für den Spielbetrieb, solltet ihr zu allererst die Meldefristen im Auge behalten. Da sich im Beispiel unserer neuen Damenmannschaft Neugründung und Meldefrist überschnitten, meldeten wir pauschal eine neue Damenmannschaft in der unteresten Spielklasse und nahmen eine Strafe für einen evtl. späteren Rückzug in Kauf. Im Nachhinein haben wir alles richtig gemacht. Unsere Damen sind nämlich aktuell 2. in Ihrer Spielklasse. 🙂

Lustig und verrücktes Mannschaftsfoto der 3. Damenmannschaft vom TVA Fischenich

Teamneugründung mit Erfolg: Die 3. Damen des TVA Fischenich zeigt mit ihrem witzigen Mannschaftsfoto ihren Teamgeist!

Für die Teilnahme am Spielbetrieb wird noch weiteres Zubehör benötigt:

Dazu sollte sich ein(e) Mannschaftsverantwortliche(r) freiwillig finden. Diese Person übernimmtdann organisatorische Aufgaben in der Mannschaft.

Achtung: Wenn diese Person vorher noch nie MV gemacht hat, solltet ihr dieser unbedingt jemandes Erfahrenen (z.B. Trainer) an die Seite stellen. Durch Erinnerungsmails und Fristsetzungen kann die neuorganisierte Mannschaft zunächst in der Erfüllung ihrer Pflichten unterstützt werden. Was für Volleyballfreaks selbstverständlich scheint, ist für die Spieler(innen) möglicherweise völliges Neuland. Sodass gerade formelle Fehler schnell passieren können. Eine wichtige Aufgabe zu Beginn ist beispielsweise das rechtzeitige Einschicken der Spielerpässe.

 

Schiedsrichterlizenzen

Immer wieder ein Reizthema sind Schiedsrichterlizenzen. Diese Thematik habe ich bereits ausführlich im Artikel “Mehr Schiedrichter braucht das Land” beleuchtet. Da sich die Mannschaften gerade in den unteren Spielklassen selber pfeifen, gibt es für mich in dieser Problematik nur eine optimale Lösung: Alle Spieler des Teams sollten eine für die Spielklasse benötigte Lizenz besitzen. Man kann hier beispielsweise die Lehrgänge super als Teambuildingmaßnahme nutzen.

5. VolleyballFREAK-Tipp: Kümmert euch rechtzeitig für möglichst alle Spieler um Plätze in den Schiedsrichterlehrgängen. Zur Not müssen auch Strafen (wie 50€ in die Mannschaftskasse oder Sperre für die Spiele) her, um die Wichtigkeit des Themas zu verdeutlichen.

Integration in den Verein

Sind alle strukturellen Aufgaben, wie Trainingszeiten, Trainer, Spieler, Equipment usw. geklärt und die ersten Trainings sind bereits gelaufen, sollte das Thema Integration ziemlich weit oben auf der Agenda stehen. Hier durch können alle von einander profitieren. Die neuen Mitglieder können sich in den Verein einbringen, neue Freundschaften uvm. entstehen.

Hierzu gibt es aus meiner Sicht verschiedene Ansätze. Sehr einfach ist es natürlich, wenn der Trainer oder Spieler bereits vorher im Verein aktiv waren. Dann kann man bereits über bestehende Kontakte die neuen Mitglieder im Verein bekannt machen.

Gerade zum Anfang bekam ich immer wieder die Frage gestellt: Wer denn jetzt in unserer neuen Damenmannschaft spielt? Daher haben wir zeitnah ein erstes Teamfoto für die Webseite eingefordert. Mit der eigenen Teamunterseite und sowie Spielerprofilen konnten sich die übrigen Volleyballer schon ein besseres Bild der neuen Mannschaft machen.

In wenigen Schritten zur eigenen Vereinswebseitere

Sofern eure Webseite nichts taugt, kann man als Alternative auch mit einer Teamfanpage auf Facebookarbeiten. Im VolleyballFREAK-Artikel “Facebookseiten von Sportmannschaften – so werden sie zum Klick-Wunder!” könnt ihr dazu mehr Informationen lesen.

Weitere Möglichkeiten für die Integration sind Vereinsevents, wie beispielsweise Abteilungsfeier, Weihnachtsturnier/Nikolausturnier mit gemischten Mannschaften, Einladung zu den Spieltagen, gemeinsames Trainingslager und Vorbereitungsturnier und so weiter und so weiter. Lasst eurer Kreativität hier ruhig freien Lauf.

Checkliste für die Neugründung eines Teams:

Nach dem ich nun über 1400 Wörter zu dem Thema geschrieben habe, kommen wir an dieser Stelle auf dem Punkt. Mit diesen 7 Schritten kann kaum noch etwas schief gehen.

  1. exisitiert eine Nachfrage? ( Teamgründung ist ab 8 Spieler sinnvoll)
  2. Hallenzeiten finden
  3. Trainersuche
  4. Spielersuche
  5. Equipment (Netz, Antennen, Bälle, Balltaschen)
  6. Spielbetrieb ( Schiedsrichterlizenzen, weiteres Zubehör)
  7. Integration in den Verein

Damit bin ich schon wieder am Ende mit meinen Gedanken. Ich hoffe, dass der Artikel dem einen oder anderen Teamgründer weiterhilft oder sogar ermutigt eine neue Mannschaft auf zu machen.

Welche positiven und negativen Erfahrungen habt ihr bei der Neugründung einer Mannschaft gemacht? Gibt es noch Fallstricke, die man unbedingt beachten sollte? Lasst mir gerne einen Kommentar hier im Blog da.

Eurer VolleyballFREAK,

Steffen